Für den Einkauf am Werktag

Unbequemer Glaube

An verkaufsoffenen Sonntagen sollen die Geschäfte einkaufsfreudige Menschen anlocken. In Frankfurt wurde dem Treiben jedoch einige Tage vor einem solchen Tag seitens des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs ein Strich durch die Rechnung gemacht. Geklagt hatten ver.di und die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) im Auftrag der „Allianz für den freien Sonntag Hessen“. Bloßes Verkaufstreiben genügte den Richtern als Argument für die Ladenöffnung nicht, daran änderte auch die Musikmesse in Frankfurt nichts, die seitens des Handels als Begründung für den Verkauf angeführt wurde.

Auch in Osthessen hat an diesem besagten Sonntag die Gemeinde Petersberg (Fulda) einen verkaufsoffenen Sonntag durchgeführt. Die Schönstatt-Mannesjugend im Bistum Fulda nutzte die Gelegenheit, um unter dem Motto „DeMonstranz – FÜR den Werktagseinkauf“ eine positive Demo zu veranstalten. Die jungen Katholiken machten darauf aufmerksam, dass der Sonntag als Tag des Herrn ein Ruhe- und Familientag ist. So wurden im Rahmen der Demo beispielsweise alternative Sonntagsaktivitäten aufgezeigt. Egal ob ein Ausflug in die Rhön, ein Spielenachmittag oder bei schlechtem Wetter ein Besuch in einem der vielen örtlichen Museen, es gibt eben zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten für den freien Sonntag.

Grundsätzlich steht natürlich jedem die Gestaltung des Sonntags frei, allerdings muss man sich auch dessen bewusst sein, dass die Verkäufer und Verkäuferinnen sich die Arbeit an einem verkaufsoffenen Sonntag gerade nicht aussuchen können. Die eigene Freiheit endet eben bei der Freiheit der anderen. Die Demonstranten wiesen auch darauf hin, dass der freie Sonntag den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Menschen sind keine Roboter, die ununterbrochen ihrer Arbeit nachgehen können. Und ähnlich wie bei den Smartphones ist der persönliche Akku auch einmal aufgebraucht und muss aufgeladen werden.

Als gesellschaftlicher Wert ermöglicht der Sonntag ein Zusammenleben in Vereinen und der Gemeinschaft. Fußballspiele, Dorffeste, all diese schönen Dinge profitieren von dem freien Tag. Schließlich ist er auch ein Teil der oft beschworenen christlich-abendländischen Wertegemeinschaft.

Leider folgten dem Aufruf zur Demonstration nicht sehr viele Menschen, wenngleich der Zuspruch für das Anliegen groß war. Insbesondere seitens der Pfarreien und des Bistums gab es keinerlei Unterstützung. Schade, wollten die jungen Katholiken doch zeigen, wie wichtig ihnen der freie Tag und wie bedeutsam der Wert des Sonntags ist. So hatte auch die Demonstrationsroute, die von der katholischen Kirche St. Peter hin zu den Einkaufsläden führte, eine symbolische Bedeutung.

Der Autor, 26, promoviert im Fach Jura in Würzburg