Fünf Schritte zum Katholisch werden

Es ist und bleibt ein Kreuz mit diesen vielen „Lifestyle“ DIYs in Videoformat auf YouTube. Kaum ist eine Überschrift mit der Abkürzung „DIY (Do it yourself)“ oder „How to …“ in den visuellen Cortex des meist weiblichen, aber fast immer unter Lerndruck stehenden Konsumenten gedrungen, da beginnen die Finger zu zucken, der Blick wandert zur Zeitanzeige. Reicht die Zeit noch, um zum Supermarkt zu eilen und Kokosöl zu kaufen? Wenn nicht, kann ich statt Kokosöl auch Olivenöl für die Herstellung dieses traumhaften Peelings benutzen, das die sowieso makellos geschminkte Haut der Moderatorin noch ein bisschen schöner macht? Oder kann ich statt einer Gymnastikmatte auch einfach einen alten Teppich benutzen, um diese Übung nachzumachen, mit der ich binnen drei Wochen strammere Oberschenkel, definiertere Armmuskeln oder einen flachen Bauch vorweisen kann? Denn darum geht's bei diesen sogenannten „Lifestyle“-Beiträgen, die es im Netz zuhauf gibt. Make-Up, Work-Outs und hausgemachte Peelings, Frisuren, vegane Cupcakes und sogar Einrichtungsgegenstände und Möbelstücke … Diese Rubriken haben eine seltsam irrationale und unerklärliche Anziehungskraft. Sind es die übermotivierten Mädchen, deren Dauerlächeln sich mit keinem Fernsehmoderator messen lassen? Die Kaufhausmusik im Hintergrund, die unangenehm die Hirnrinde massiert? Zugegeben, einige dieser Ideen bestechen durch ihre Kreativität. Aber ist es das, was den katholischen Jugendlichen zufrieden ins Bett gehen lässt? Mit diesem Gefühl, heute etwas richtig gemacht zu haben? Mit dem Nachgeschmack eifriger Produktivität? Nein, im Gegenteil. Denn dieser „Lifestyle“ ist überwiegend ein Lebensstil, der Spirituelles ausklammert – abgesehen von Yoga oder einem zusammengekochten, hausgemachten Buddhismus. Also, wo bleiben die katholischen DIYs, die Substanz zeigen? Die „How To Pray The Rosary (wie betet man den Rosenkranz)“ oder „DIY Morning Prayer“? Im deutschen YouTube bleibt die Suche nach solchem Content erfolglos und vergeblich. Im Englischen erörtert Father Mike Schmitz mit Priesterkragen und einer ehrlichen Heiterkeit einzelne Fragen des Glaubenslebens, von vermeintlichen Lappalien wie: „Werde ich mein Haustier im Himmel wiedertreffen?“ bis zu schwierigen Fragen, die man von Skeptikern kennt. Mit großer Sensibilität, aber vor allem ehrlich und lehramtsgetreu behandelt er beispielsweise den Umgang mit Transgendern, ob es Geister gibt oder ob Gott manche Menschen mehr liebt.

Mehr solche Zeugnisse braucht es! Denn es gibt nur ein Wort, das den Glauben in den Medien treffend beschreibt, die von Jugendlichen hauptsächlich konsumiert werden: unterrepräsentiert. Für fast jedes Hobby, jeden Lifestyle, jedes Interesse gibt es Foren, Vorbilder, Idole: Gaming, Sport, Musik, Politik und Film. Der Glaube bleibt jedoch unsichtbar und in den Augen vieler junger Benutzer etwas, das im echten Leben gar keine Berechtigung mehr hat. Wer kann es ihnen vorwerfen, wenn sie außerhalb der Schule nie mit ihm in Berührung kommen? Also, wo bleiben die „5 Steps to Adore Jesus“? Denn dann ist eine Nebenrubrik, in der ein Rosenkranz gebastelt wird, immer noch eine Möglichkeit, sich kreativ auszuleben.

Die Autorin, 18, studiert Latein und Germanistik an der Uni Heidelberg