Freischaffender Pilger im literarischen Dienst: Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund

Zu „Freischaffender Pilger im literarischen Dienst“ (erschienen in „Die Tagespost“ vom 27. Juli): Mich erstaunt die Aufmerksamkeit und Wertschätzung ihrer Zeitung in Bezug auf Cees Nooteboom. Schon in einer früheren Ausgabe (DT vom 16. Juni 2012) antwortete er auf die Frage, was der Tod sei, sinngemäß mit der Sicht Epikurs: Solange ich lebe, ist der Tod nicht da, wenn der Tod da ist, bin ich nicht mehr da. Diese Sichtweise ist meiner Ansicht nach intellektuell armselig, traurig und ein fürchterlicher Irrtum.

Auch seine Meinung, über Gott zu sprechen, sei prätentiös, ist unzutreffend: Wer etwas von Gott erkannt und erfahren hat, muss von ihm sprechen – natürlich eingedenk der Unbegreiflichkeit des göttlichen Wesens für uns und der analogia entis. Die Apostel hatten den Auftrag und die Pflicht, Gott und sein Reich weiter zu verkündigen. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.

Von Gott schweigen zu sollen, ist also christlich unmöglich, wobei selbstverständlich ist, dass das Christentum ohne die Bezeugung durch Caritas und Nächstenliebe nicht sein kann. Nooteboom bezeichnet sich als katholischen Ungläubigen. Dass er ungläubig ist, ist offensichtlich, aber auch, dass er nicht katholisch ist, denn dabei handelt es sich nicht nur um eine „Form von Kultur“ (Nooteboom), wie er es gerne formulieren möchte, sondern das Herz des Katholischseins ist der Glaube.