Familienbegriff ausgehöhlt: Die ÖVP in Österreich und der politische Kurs der CDU in Deutschland : Die Familie ist kein Spielball für Ideologen

Die hohen Zustimmungswerte, die Angela Merkel und damit die CDU in Deutschland immer noch genießen, haben ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner wohl tief beeindruckt. Nun will er offensichtlich mit einem ähnlichen Ansatz wieder auf solche Werte für die ÖVP kommen, wenn er davon spricht, dass er den Religionsunterricht reformieren oder gleich zu einem reinen Ethikunterricht umgestalten will.

Solche Vorstöße hätte ich von ganz anderen politischen Gruppierungen erwarte, aber nicht von der ÖVP. Der Religionsunterricht solle unter dem Zeichen gegenseitiger Wertschätzung stehen. Tut er das heute nicht? Ich habe eher den Eindruck, dass der christliche Religionsunterricht sich heute vor allem mit den anderen Glaubensrichtungen beschäftigt und weniger mit der Vermittlung der eigenen Glaubensgrundsätze und -inhalte. Nur aus einem fundierten Wissen des eigenen Glaubens kann ich aber einen echten Dialog mit Andersgläubigen führen. Gerade islamische Gesprächspartner bemängeln in der Regel bei Begegnungen mit Christen nicht ein Zuviel an christlichen Inhalten, sondern wundern sich häufig, wie wenig wir über unseren eigenen Glauben wissen. Sie erwarten ein Gegenüber, welches sich seines eigenen Glaubens bewusst ist und diesen auch vertreten kann. Was soll da ein Ethikunterricht zum Besseren wenden?

Daneben stuft Reinhold Mitterlehner auch die „traditionelle“ Familie nur noch als ein Modell unter vielen ein. Seine Partei wolle nicht vorgeben, wie Familie zu definieren sei. Dass der Familienbegriff seit einiger Zeit auch bis in weite Kreise der bürgerlichen Parteien hinein relativiert wird, ist ein trauriges Phänomen; aber man glaubt, sich unbedingt dem Zeitgeist anpassen zu müssen, anstatt gerade die („traditionelle“) Familie als wichtigsten Bestandteil jedes Staatswesens zu verteidigen.

Da passt es, dass vor kurzem erst Papst Franziskus, der von so vielen begeistert gefeiert wird, auf einem interreligiösen Kongress deutlich machte, dass die Familie nicht zum Spielball von Ideologien werden dürfe. Familien, die auf der Verbindung von Vater und Mutter beruhten, seien eine anthropologische Tatsache, Keimzelle der Gesellschaft und der Kultur. Man könne nicht über eine „konservative“ oder eine „progressive“ Familie sprechen: „Familie ist Familie, sie hat ihre eigene Kraft.“

Deshalb muss man auch kein Anhänger von Strache sein, um festzustellen, dass ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare den Kindern nicht gerecht werden kann und nichts mit einem „entlarvenden Nichtverstehen“ zu tun hat, wie es Mitterlehner meint. Entlarvend scheint mir eher die zeitgeistgetriebene Richtungsänderung des ÖVP-Chefs. Mit dieser „Vermerkelung“ wird Mitterlehner wenig neue Wähler gewinnen, aber viele Stammwähler vergraulen. Seine Rechnung geht nicht auf.