Europaabgeordneter Martin Kastler nennt Parlamentsbeschluss „moralische Katastrophe“: Völlig richtige Bezeichnung

Das von dem mittelfränkischen CSU-Europaparlamentarier Martin Kastler als „moralische Katastrophe“ bezeichnete Mehrheitsvotum des EU-Parlaments für präimplantative Selektion gesunder Embryonen nach künstlicher Befruchtung (DT vom 25. April) verdient diese erschreckend eindeutige Charakterisierung leider zu Recht. Auch die Streichung des NS-historisch belasteten Unworts „Ausmerzung“ nach Einspruch der christdemokratischen Parlamentsfraktion kann den entstandenen politischen Schaden nur geringfügig mindern.

Welche verblendete Anmaßung spricht bereits aus dem Vorhaben, über den Wert oder Unwert „seltener Krankheiten im europäischen Rahmen“ zu diskutieren. Die schließlich von Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberalen durchgesetzte Befürwortung jeglicher Form von Selektion „gesunder“ Embryonen, das heißt zu Lasten fraglich gesunder Embryonen, enthüllt ein bioethisch verheerendes Menschenbild, zu dessen eindeutiger Ablehnung es nicht einmal einer christlichen Einstellung bedarf. Denn der Beschluss tritt die 1948 in der internationalen Charta der Menschenrechte feierlich verkündete Menschenwürde schamlos mit Füßen und widerspricht außerdem jeglicher sozialen Vernunft.

Selbst wenn „gesund“ mit geno- oder phänotypisch makellos gleichgesetzt würde, kann eine solche Fehleinschätzung nichts Sicheres über spätere, keineswegs nur erbliche, umweltbedingte und sonstige „schicksalhafte“ Krankheiten, Traumafolgen und frühe oder späte Invalidisierungen aussagen. Dass in den letzten Jahrzehnten die kurativen und rehabilitativen Errungenschaften der medizinischen Forschung erstaunliche Verbesserungen auch bei bislang für gänzlich inkurabel gehaltenen Erbkrankheiten erzielt haben, darf nicht zu fachfremder Maßlosigkeit und blinder Hybris verleiten.

Wie kann man zu europäischen Parlamentariern noch Vertrauen haben, die mit ihrem Beschluss die Deklaration der Menschenrechte derart ignorieren? Solche Geschichtsvergessenheit lässt für Europas politische Zukunft wieder Schlimmes befürchten. Moralisch angemessen und wirklich verantwortungsbewusst kann nur die eindeutige Zurückweisung biologistischer Selbstüberschätzung in Forschung und Politik und die schon von dem großen Arzt und Europäer Albert Schweitzer entschieden geforderte „Ehrfurcht vor dem Leben“ sein.