Essen für den guten Zweck

Wissen Sie was ein „Lonche“ ist? Nein? Keine Sorge! Ich auch nicht – bis letzten Sonntag, als ich an meinem ersten „Lonche“ teilnehmen durfte. Leckere Sandwiches, Kuchen, heiße Schokolade, Tee oder Kaffee – von allem ist etwas dabei. Was bei uns der Frühschoppen oder das Kirchencafé ist, heißt hier „Lonche“; mit dem entscheidenden Unterschied, dass das „Lonche“ nicht etwa vor- oder nachmittags, sondern am Abend stattfindet. Die Leute kommen auch nicht nur aus einer oder zwei, sondern gleich aus drei Messen: Um 18, 19 und 20 Uhr. Man muss sich dann immer geschickt zwischen Kirchenausgang und Pfarrsaaleingang positionieren, um die Leute mit Werbesprüchen wie „Lonche parroquial (Lonche in der Pfarrei) mit leckeren Sandwiches, Kuchen und heißer Schokolade zu angenehmen Preisen“ hereinzulocken. Der Saal war stets gut gefüllt und es wurden sogar alle Lose für den guten Zweck verkauft. Die Gemeinschaft, die das „Lonche“ organisiert hat, die katholischen Charismatiker „Shekinnah“, führen nämlich eine Verlosung mit dem Zweck, ein eigenes charismatisches Zentrum in Lima zu errichten, durch. Hauptgewinn ist – aufgepasst! – eine Reise nach Guadalupe in Mexiko: mit etwa 20 Millionen Pilgern der meistbesuchte Wallfahrtsort der Welt. Nach dem erfolgreichen „Lonche“ musste dann natürlich auch alles wieder aufgeräumt und gründlich gefegt werden. Apropos Fegen und dem dazugehörigen Utensil des Besens: Wie wichtig die einfache tägliche Arbeit, also zum Beispiel die Hausarbeit, ist, verdeutlicht einer der wichtigsten beziehungsweise der wichtigste männliche heilige Perus: San Martin de Porres, der „santo de la escoba“ (Der Heilige des Besens). Er hält nämlich sinnbildlich dafür einen Besen in der Hand, weil er sein ganzes Leben lang als einfacher Frater im Dominikanerkloster von Lima verbracht hat. Geboren im Jahr 1579 als „mulato“ Martin de Porras, das heißt Sohn einer schwarzen Sklavin und eines weißen Peruaners, entschied er sich bereits im Alter von 15 Jahren dazu, ins Kloster einzutreten und mit 27 Jahren die ewige Profess abzulegen. Insbesondere die Ideale der Armut und Demut verkörperte er durch seine Arbeit als Gärtner, Zahnarzt sowie natürlich als Saubermacher. Täglich schlief er lediglich zwei bis drei Stunden. Seinen Habit soll er sein ganzes Leben nicht gewechselt haben. Aufgrund seines ethnischen Hintergrunds und dementsprechender Missgunst der Kolonialherren hat sich seine Seligsprechung bis ins Jahr 1837 und seine Heiligsprechung bis 1962 hinausgezögert, wobei sein Nachname von Porras zu Porres abgeändert wurde. Als erster schwarzer Heiliger des amerikanischen Kontinents wird er bis heute in Peru als Vorbild eines armen und einfachen Lebens verehrt. Zwar muss man ja nicht gleich so radikal wie San Martin sein, aber die Heiligkeit und der Wert eines einfachen Lebens vor Gott wird doch durch sein Beispiel gut veranschaulicht. San Martin de Porres, bitte für uns!

Der Autor, 18, ist gerade als Praktikant und Missionar in Lima