Ermanno, der Missionar

Ermanno, der Missionar
_

Ich hatte immer davon geträumt, an der Franziskaner-Universität in Steubenville studieren zu können. Nicht um den amerikanischen Traum zu leben, sondern um Erfahrungen zu sammeln – Erfahrungen im Bereich der Neu-Evangelisierung, der katholischen Medien und der verschiedenen Möglichkeiten des Apostolats.

An der Universität treffen sich die Studenten einmal in der Woche, um gemeinsam zu einer Abtreibungsklinik zu fahren und davor zu beten. Viele lassen sich als Missionare ausbilden und schenken Gott ihre Semesterferien. Sie fahren mit Gleichgesinnten im Auto zu verschiedenen Gemeinden, unterstützen den Pfarrer, geben Zeugnisse von ihrem Glauben oder helfen an anderen Universitäten in der Studentenseelsorge mit.

Um diesen amerikanischen Geist besser kennenzulernen, wollte ich mit der Gruppe „FOCUS“ zum Weltjugendtag fahren. Die Abkürzung steht für „Fellowship of Catholic University Students“, auf Deutsch: Gemeinschaft der katholischen Universitätsstudenten. Eine Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, in den Semesterferien oder sogar für ein bis zwei Jahre nach dem Studienabschluss in die Mission zu gehen. Seit der Gründung im Jahr 1998 gibt es 1 100 Studenten, die diesen Dienst geleistet haben.

Ausgebildet werden sie einen Monat lang in Florida. Dort lernen sie etwa auch, wie man in seinem Freundeskreis Spenden sammelt, um seine Mission finanzieren zu können. Seit letztem Jahr ist die Bewegung auch in Europa vertreten: in der österreichischen Stadt Graz.

Ich freute mich, als einer dieser Missionare mich in Heiligenkreuz besuchte. Ermanno kommt gebürtig aus Turin. Er bekehrte sich damals in der Portiunculakapelle in Assisi und wirkt mit seinen beiden Kollegen, einem Kanadier und einem Tiroler, in zwei Studentenheimen. Am Beginn ihrer Tätigkeit nahmen vier Studenten am wöchentlichen Gebetsangebot teil, ein Jahr später hatte sich die Zahl bereits verzehnfacht.

Die Gemeinschaft wächst. Ermanno machen die Aufgaben sehr viel Spaß, sodass er für ein drittes Jahr zugesagt hat. Am Anfang war es für die drei am schwersten, die Vorurteile gegenüber „Missionaren“ abzubauen. Man dachte gleich an Zwangstaufen oder Goldschätze in Südamerika. Was er erzählte, beeindruckte mich zutiefst. Er musste eine fremde Sprache lernen, schenkt Gott drei Jahre seines Lebens und finanziert sich nur durch die Vorsehung Gottes. Bevor es für mich mit über 200 Jugendlichen von FOCUS zum Weltjugendtag ging, gab es im niederösterreichischen Ort Gaming – in Zusammenarbeit mit einer kanadischen Missionsbewegung – eine Konferenz für die Teilnehmer. Man wollte sich dort über Erfahrungen und neue Möglichkeiten austauschen, um mehr junge Menschen mit der Freude anzustecken, die einen selbst erfüllt.

Ziel ist es, dass diese dann selbst aktiv werden und den Glauben verkünden wollen. Als ganz einfache Studenten, aber dafür mit viel Gottvertrauen im Gepäck.

Der Autor, 24, studiert Katholische Theologie in Heiligenkreuz