Einführung ins Christentum: Nicht Wunder, nicht Macht

Ich möchte für den Leserbrief von Wolfgang Schmitt „Ausdruck der Radikalität der Liebe“ (DT vom 3. April) danken, wo eine Passage aus dem Buch „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger eingerückt ist. Mir wurde im Studium der Theologie (1958-64) dieses Buch zum Schlüssel für das eigentlich Christliche. In einem – zugegeben – etwas schlichten Bild habe ich mir das Kreuzesgeschehen folgendermaßen erklärt: Angesichts des Elends (Elend ist Trennung, Vereinsamung durch den Urzweifel der Erbsünde) der Menschen will Gott helfen. Im „göttlichen Rat-Schluss“ sendet der Vater den Sohn in die Welt, um ihnen von seiner Liebe und Treue zu künden. Die Art und Weise, wie das geschehen soll, muss, da Gott die menschliche Freiheit respektiert, auf die Situation abgestimmt werden. In der Einsamkeit der Wüste vergewissert sich Jesus, welchen Weg er gehen soll. Die in den drei Versuchungen des Teufels angebotenen Methoden (Brot = erfülle ihre Wünsche, Wunder = gib ihnen letzte Sicherheit, Macht = zwinge sie) verwirft er und geht den Weg der Liebe. Als man ihn, statt ihn anzunehmen, töten will, gerät er – da nicht nur ganz Gott sondern auch ganz Mensch – natürlich in zitternde Angst, die öfter erwähnt wird, so bei Joh 12.27: „Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.“ Jesus sagt im Grunde, dass er den Willen des Vaters zur Versöhnung erfüllen werde, auch wenn es ihn das Leben kostet. Nicht Gott ist blutdürstig, sondern wir Menschen, die nicht glauben können, wenn einer nicht sein Letztes hergibt.