Eilige Messe

„Worte der Besinnung“ höre ich am Ende einer netten kleinen märchenähnlichen Geschichte und gebe jegliche Hoffnung auf, dass diese Messe heilig ist. Will denn keiner das Wort des lebendigen Gottes hören? Offenbar nicht. Warum auch? Ist ja viel zu altmodisch. Und wo wir schon dabei sind: warum eigentlich das seltsame „Tamtam“ mit Oblaten und Weißwein und lauter Zaubersprüchen drum herum? Warum an die böse oktroyierte „Liturgie“ halten?

Ich denke, dass die Antwort sehr einfach ist. Seine selbst verfasste Geschichte als Lesung zu verwenden und die Liturgie nach eigenem Gutdünken zu gestalten bedeutet die indirekte Annahme, es besser zu wissen als die Kirche, als Gott es einem gegeben hat und damit einen Akt der Überheblichkeit und Selbstüberschätzung.

Jetzt kann man natürlich annehmen, dass der „korrupte Haufen“, der sich als Kirche bezeichnet, willkürlich irgendwelche Regeln festlegt, an die man sich nicht zu halten braucht. Doch derjenige, der das glaubt, ist auf dem Holzweg.

„Er [Christus] ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche.“ (Kol 1,18), und wer möchte bestreiten, dass der Leib Christi heilig ist? Die Kirche als der Leib, dessen Haupt Jesus Christus, der Herr selber, ist, ist die legitime Vermittlerin dessen, was Gott für uns bestimmt hat. Was sie lehrt, ist nicht die Meinung von Einzelpersonen, die einen unbegründeten Autoritätsanspruch für selbige stellen, sondern sie lehrt das, was sie durch den Heiligen Geist erfahren hat und was uns durch die Heilige Schrift überliefert ist. Liturgie ist die Differenzierung des Gebets. Das Ergebnis dieser Differenzierung ist die Heilige Messe, das höchste und heiligste Gebet. Der ganz entscheidende Fehler bei der eigenmächtigen Gestaltung des Gottesdienstes besteht darin, dass man diese Differenzierung nicht erkennt. Die Entscheidung, in welcher Weise wir den Gottesdienst feiern, obliegt nicht uns, denn „mit welchem Opfertier wir Jahwe verehren sollen, wissen wir [noch] nicht“ (Ex 10,26). Der Herr muss dem Volk Israel also erst zeigen, wie man ihn wahrhaft anbetet und ihm dient. Das Gleiche gilt für uns: Unser menschlicher Verstand ist viel zu beschränkt, als dass er ergründen könnte, in welcher Weise man dem Herrn dienen kann. Wir können also überhaupt nicht wissen, ob uns diese Worte zur Besinnung bringen. Oder ob die Lesung überhaupt als Mittel der Besinnung dient.

Wir sind ohnehin schon nicht würdig, dass der Herr eingeht unter unser Dach – ist es dann nicht vielleicht ratsam, es zu unterlassen, seine Omnipräsenz und das Werk seiner Hände, die Kirche, in Frage zu stellen? Wahrscheinlich schon.

Der Autor, 17, Schüler, macht nächstes Jahr sein Abitur