Ehe und Liebe: Zur Debatte um gleichgeschlechtliche Eheschließungen und den Leserbriefen dazu in der DT vom 13. Dezember: Bedeutungswandel der Wörter?: Gleiches gleich, Ungleiches ungleich

Dass die „Ehe für alle“ irgendeine Diskriminierung beseitigen würde, die durch die traditionelle Ehe hervorgerufen wird, ist unzutreffend. Letztere diskriminiert niemanden, da ja jeder eine traditionelle Ehe eingehen darf. Wenn einer nicht will, dann lässt er es eben. Ich glaube, man nennt das „passive Inanspruchnahme eines Rechtes“. Auch die Einrichtung des Lebenspartnerschaftsrechts gründet nicht auf der Notwendigkeit, ein Unrecht zu beseitigen, auch wenn das behauptet wird, sondern sie gründet schlicht auf politischem Willen – den man dementsprechend nicht teilen muss. Im Übrigen kann ich die von Herrn Wolf aufgestellte Behauptung, das GG gehe von den Freiheiten des Individuums aus, „das heiraten dürfen soll, wann und wen es will“, ebendort nicht verifizieren. Ich lese vielmehr in Art. 6, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz des Staates stehen. Natürlich kann man behaupten, die Bedeutung der Wörter und die gesellschaftlichen Realitäten befänden sich aber nun einmal im Wandel. Ich muss gestehen: Bei dem Gedanken, dass sich dann in Zukunft vielleicht Begriffe wie „Würde“ (Art. 1), „Entfaltung der Persönlichkeit“ (Art. 2), „Glaube“, „Gewissen“ (Art. 3) etc., etc., etc. wandeln, bekomme ich es mit der Angst zu tun.

Wenn der Staat Homosexuellen nicht ermöglicht, eine Ehe zu schließen, so wird dies von den Betroffenen Diskriminierung genannt. Als müsste der Staat dies zwingend tun. Dabei erlaubt er auch nicht, Geschwistern zu heiraten, nicht die Vielehe oder dass Pädophile ihre Neigung mit Kindern ausleben dürfen. Und zu behaupten, dass Kinder keinen „Schaden“ erlitten, wenn sie von Homosexuellen adoptiert werden, ist längst nicht erwiesen. – Das Gegenteil ist anzunehmen, wenn es „natürlich“ ist, dass Kinder Mutter und Vater wollen, Mutter und Vater brauchen.

Ich akzeptiere unser gegenwärtiges Verpartnerungsgesetz – auch als eine Form, eine bestimmte Art der Diskriminierung zu beseitigen. – Ich bin aber gegen die Homo-„Ehe“, weil ein zentraler Rechtsgrundsatz vernünftiger Weise lautet: Gleiches gleich behandeln und Ungleiches ungleich.

Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaft sind nicht gleich. – Die Ehe ist von der Natur und vom Schöpfer her als einzigartige Gemeinschaft gewollt. In ihr treffen sich Mann und Frau, bilden eine auf Dauer angelegte Beziehungs- und Verantwortungsgemeinschaft, werden in der Liebesvereinigung ein Fleisch, zeugen dabei, wenn die Natur im Einzelfall „mitspielt“, ein Kind, einen neuen Menschen, für den sie dauerhaft Verantwortung übernehmen. – Als Vater und Mutter schaffen sie zentrale und wesentliche Voraussetzungen für eine gute Entwicklung des neuen Menschen. – Dieser kann selbst zu gegebener Zeit den gleichen Weg als Teil der Menschheitsgeschichte gehen.

In der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, die respektiert und geachtet werden soll, sind wesentliche Elemente der charakterisierten Ehe nicht möglich.