Die „digitale Revolution“ verändert Kultur und Gesellschaft : Ein apokalyptischer Angriff auf den Menschen: Noch kaum Bewusstsein für die Manipulation

Zur Buchbesprechung von Alexander Riebel zu George Dyson „Turings Kathedrale“ (DT vom 25. Oktober): Die Entwicklung der Maschinensprache in der Geschichte der Computer ist nach dem Buch, das hier beschrieben wurde, eine Parallele zur Decodierung der menschlichen DNA; das Schlüsselwort „Information“ stand nicht nur an der Wiege des digitalen Zeitalters, sondern mehr noch an der der Künstlichen Intelligenz; die „Evolution des digitalen Universums“ stünde in Wechselwirkung zu der unseres Universums, wird gesagt. „Heute leben wir längst an der Hand des Supercomputers: Facebook zeigt uns, wer wir sind, Amazon, was wir wollen und Google, was wir denken.“ Das Fazit der Buchbesprechung lautet: Wer diese Epoche (der digitalen Revolution) verstehen will, muss das Buch von George Dyson unbedingt gelesen haben.

Die Erkenntnis, dass hier schon lange eine stille, fast unbemerkte Revolution vor sich geht, die in unseren Tagen so rasant an Fahrt aufnimmt, dass sie nicht mehr unbemerkt bleiben, oder als nur wissenschaftshistorisches Faktum verstanden werden kann, scheint mehr und mehr die „Eingeweihten“ in dieser digitalen Welt, die uns inzwischen umgibt, aufzuschrecken. Ich möchte hier auf zwei jüngste Neuerscheinungen aufmerksam machen, für die Ähnliches gilt, wie für das oben zitierte Fazit.

Yvonne Hochstetter beschreibt in: „Sie wissen alles“ – Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen (C.Bertelsmann-Verlag) in sehr gut nachvollziehbaren Schritten, wie das „Big Data“-Rezept intellektuell emanzipierter Maschinen zu einer Evolution, zum Angriff auf den Menschen und seine Kultur und der darauf basierenden Diktatur des Informationskapitalismus führen muss. – Wenn nicht eine Umkehr eingeleitet wird! Das anstehende „Update der Gesellschaft“ bedeutet entsprechende Aufgaben für die Technologen, aber eben auch für den Staat in einem globalisierten Rahmen und vor allem für den Einzelnen: die Erkenntnis, dass unsere Freiheit auf dem Spiel steht, müsste alles Kräfte mobilisieren. Allerdings ist Kenntnis und Einsicht Voraussetzung für eine solche Umkehr im Denken und Handeln.

Hier setzt das zweite Buch an: zehn Professoren aus ihrem jeweiligen Fachgebiet beschreiben die zukunftsbedrohenden Entwicklungen im Inneren unserer Zivilisation, die für eine menschenwürdige Zukunft eine ernst zu nehmende Gefahr sind. „Warum unsere Zivilisation zusammenbricht und wie sie sich erneuern kann“ – dieser „Höllensturz“ droht uns nach ihrer begründeten Überzeugung, wenn wir nicht zur Umkehr aus diesen Kausalzusammenhängen finden.

Wieder ein apokalyptisches Szenario – diesmal in der Welt des Geistes und unserer Kultur? Hans Joachim Hahn und Lutz Simon, die als Herausgeber und Autoren dieses Bandes im Lau-Verlag agieren, begründen, worauf sie dennoch ihre Hoffnung für eine lebenswerte Zukunft stützen: „Die Erneuerung, nach der wir uns alle sehnen, wird aber nicht aus unserer eigenen moralischen Kraft kommen.“… Sie „wird nur geschehen können, wenn sie aus einer (solchen) inneren Kraft heraus gestaltet wird. Weil das jederzeit möglich ist, sind wir voller Hoffnung für unsere Zukunft“. (Hahn/Lutz: Höllensturz und Hoffnung – www.lau-verlag.de)

Besten Dank für die Besprechung des Buches von George Dyson durch Alexander Riebel (DT vom 25. Oktober) Man wäre geneigt, das alles als Science-fiction-Literatur abzuhaken, würde da nicht die traurige Realität beschrieben. Wir stehen erst am Anfang der digitalen Revolution und blicken doch schon in den Abgrund. Umkehr ist auch hier nötig. Aber noch fehlt weitgehend das Bewusstsein für die Manipulation des Menschen, die sich bereits ereignet.