Die deutschen Bischöfe und die Übersetzungfragen im Messbuch: Wie das „für alle“ richtig zu verstehen ist

Die deutschen Bischöfe möchten, wie in der „Tagespost“ am 25. September zu lesen war, das „für alle“ in den Konsekrationsworten des Messbuchs (vorerst) nicht ändern. Nun stimmt es sicher, dass das „für alle“ keine wörtliche Übersetzung des „pro multis“ ist. Die Bischöfe sehen aber zu Recht die Gefahr der Verwirrung für viele Gläubige, wenn diese Formulierung durch eine andere, vordergründig genauere ersetzt wird. Dies gilt umso mehr, weil die meist vorgeschlagene Übersetzung „für viele“ keineswegs eine treffende Wiedergabe des „pro multis“ ist.

Im Deutschen klingt im Ausdruck „für viele“ nämlich ein „nicht für alle“ mit. Es wäre zu fragen, ob nicht manche Zeitgenossen, die diese Übersetzung nun mit Berufung auf den Papst einfordern, ganz gerne eine solche Einschränkung der Universalität des göttlichen Heilswillens formuliert sähen. Dieser Eindruck sollte aber unbedingt vermieden werden; denn dass Christus „für alle“ gestorben ist (auch wenn nicht alle Menschen diese Heilsgabe auch annehmen), ist biblisch gut begründete kirchliche Lehre (vgl. 2 Kor 5,14.15; 1 Tim 2, 5–6). Sprachlich könnte „pro multis“ auch mit „für die Vielen“ wiedergegeben werden (oder wie in französischen Messbüchern als „pour la multitude“), was keine einschränkende Konnotation hat und damit der Aussageabsicht besser entspricht. Kardinal Arinze hat in seinem einschlägigen Schreiben (siehe Notitiae 481–482 von 2007) dies als eine mögliche Übersetzung benannt, ihren Vorzug gegenüber dem bloßen „für alle“ aber verkannt. Jeder kompetente Übersetzer weiß, dass wörtliche Übersetzungen nicht selten sehr verfälschen, gute Übersetzungen dagegen Freiheit in Wortwahl und Syntax haben müssen, gerade um das Gemeinte getreu wiederzugeben. Die 1969 vom Heiligen Stuhl herausgegebene Übersetzerinstruktion hat das differenziert dargelegt; leider scheinen ihre Erkenntnisse in den letzten Jahren in Rom vergessen worden zu sein.