Die Theologie des Leibes und die Seligsprechung Papst Paul VI.: Neue theologische Strömungen vertiefen

Die Herausgabe der Enzyklika Humane vitae war sicher ein Höhepunkt im Pontifikat Papst Pauls VI. Dr. Siegfried Ernst, der bekannte große Kämpfer für die ungeborenen Kinder, der im hohen Alter konvertiert ist, sagte mir einmal in einem persönlichen Gespräch, diese Enzyklika hätte ihm damals gezeigt, was die Unfehlbarkeit für das Amt des Papstes bedeute. Der Papst hatte sie gegen eine Mehrheit der Bischöfe herausgegeben. Ob allerdings der richtige Zeitpunkt für die Seligsprechung von Paul dem VI. schon da ist, darf sicher diskutiert werden. Was unter anderem die Frage des Kampfes gegen den moralischen Zerfall im Bereich der Sexualität (Abtreibung, Pille, Promiskuität etwa) angeht, haben viele hohe kirchliche Würdenträger eine schwache und sogar dem Lehramt widersprechende Haltung eingenommen, wie die Maria Troster- und Königsteiner Erklärungen überdeutlich zeigen. An ein energisches Durchgreifen des Papstes, das zum heroischen Tugendgrad gehören würde, vermag ich mich in den letzten Jahrzehnten auch in Bezug auf unzählige andere Missstände und Ärgernisse innerhalb der Kirche nicht zu erinnern. Vielmehr schien etwa das Profil für Bischofsernennungen wesentlich auf einen moderaten Umgang mit den Medien zugeschnitten gewesen zu sein. Unter anderem wurden und werden von katholischen Theologen gerade auch in der Ausbildung der Priester zum Teil gravierende Glaubensirrtümer vertreten. Überhaupt wird der Niedergang der katholischen Kirche in nahezu allen Bereichen und der absehbare Zusammenbruch in seinen Ursachen erst noch analysiert werden müssen.

Ist in diesem Zusammenhang eine tiefere Verwurzelung einer neuen theologischen Strömung, wie sie die „Theologie des Leibes“ darstellt und wie in einem Leserbrief vom 1. Juli ausgeführt wurde, über die jüngsten Päpste und das Zweite Vatikanum hinaus nicht notwendig?