Die Sendung von Priestern und Laien klar unterscheiden: Die christliche Berufung mitten in der Welt leben

Eine klare Unterscheidung der Sendung von Hierarchie und Laien zur Verkündigung des Reiches Gottes tut wahrhaft not – besonders in unserer Zeit! Darum Dank Herrn Generalvikar Martin Grichting für die sachliche Kritik der „Pfarrei-Initiative“ in der Schweiz (DT vom 15. Januar). Sein Artikel „Was zur DNA der Kirche gehört“ betrifft eine Desorientierung, unter der die Kirche in Westeuropa seit langem leidet. Dies ist umso unverständlicher, da schon 1975 Papst Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Über die Evangelisierung in der Welt von heute“ den „Katholischen Standort“ in dieser Frage unmissverständlich präsentierte. Es ist bezeichnend für den Mangel an Mut, dass dieser Artikel 70 bis heute in der kirchlichen Öffentlichkeit fast nie zitiert worden ist:

„Die Laien, die ihrer besonderen Berufung gemäß ihren Platz mitten in der Welt haben und die verschiedensten zeitlichen Aufgaben erfüllen, müssen darin eine besondere Form der Glaubensbezeugung vollziehen. Ihre erste und unmittelbare Aufgabe ist nicht der Aufbau und die Entwicklung der kirchlichen Gemeinschaft – hier liegt die besondere Aufgabe der Hirten –, sondern sie sollen alle christlichen, vom Evangelium her gegebenen Möglichkeiten, die zwar verboren, aber dennoch in den Dingen der Welt schon vorhanden sind und aktiv sich auswirken, verwirklichen. Das eigentliche Feld ihrer evangelisierenden Tätigkeit ist die weite und schwierige Welt der Politik, des Sozialen und der Wirtschaft, aber auch der Kultur, der Wissenschaften und Künste, des internationalen Lebens und der Massenmedien, ebenso gewisse Wirklichkeiten, die dem Geist des Evangeliums offenstehen, wie Liebe, Familie, Kinder- und Jugenderziehung, Berufsarbeit, Leiden usw. Je mehr vom Evangelium geprägte Laien da sind, die sich für diese Wirklichkeiten verantwortlich wissen und überzeugend in ihnen sich betätigen, sie mit Fachkenntnis voranbringen und sich bewusst bleiben, dass sie ihre gesamte christliche Substanz, die oft verborgen und verschlossen erscheint, einsetzen müssen, umso mehr werden diese Wirklichkeiten, ohne etwas von ihrer menschlichen Tragweite zu verlieren oder zu opfern, geradezu eine oft verkannte transzendente Dimension offenbaren, in den Dienst der Erbauung des Reiches Gottes treten und damit in den Dienst des Heiles in Jesus Christus.!“