Die Messe: Opfer, Mahl oder Opfermahl?: Immer wieder neu aufgetischter Widerspruch

In den letzten Ausgaben der „Tagespost“ wurde der Verlust der Opfergestalt der Messfeier von einigen Autoren zu Recht beklagt, (etwa Dr. Hans-Lothar Barth vom 24. Juni). Und in der Tat hört man landauf, landab, dass die Messe ein Opfer sei, das in Gestalt eines Mahles gefeiert werde.

Diese Aussage ist deshalb so problematisch, weil etwas Unmögliches ausgedrückt wird. Im Opfer feiern wir die Schlachtung des Lammes, bei der Kommunion schreiten wir zum Mahl des Lammes. Schlachtung und Mahl sind vom Erleben so unterschiedlich, dass wir im profanen Alltag die beiden Ereignisse sogar räumlich trennen. Weil die Erlebnisinhalte so verschieden, ja, man kann sogar sagen, gegensätzlich sind, kann man ein Opfer nicht in Mahlgestalt feiern, sondern man muss das Opfer in Opfergestalt, im Hinblick auf den Kreuzestod Jesus Christi feiern. Wenn ich diesem Opfer zustimme, kann ich zum „Mahl des Lammes“ schreiten.

Den Konzilsvätern von Trient waren diese Zusammenhänge noch bewusst, wenn sie folgenden Satz beschlossen haben: „Wer sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wirkliches und eigentliches Opfer dargebracht, oder die Opferhandlung bestehe in nichts anderem, als dass uns Christus zur Speise gereicht werde, der sei ausgeschlossen.“ Wird nicht genau hier die Behauptung ausdrücklich verurteilt, dass die heilige Messe ein Opfer sei, das in Gestalt eines Mahles gefeiert werden müsse? Wenn die Mahlgestalt der Eucharistie innerhalb der Kirche verkündet wird, wird etwas vertreten, was eigentlich schon von der Kirche selbst verurteilt worden ist. Daher ist es mir völlig unverständlich, wieso uns dieser Widerspruch immer wieder neu aufgetischt wird.