Die Krise der katholischen Kirche und der neue Jugendkatechismus YOUCAT : Ein Samenkorn, das aufgehen wird

Die Kirche hat nach der Auffassung des Altmeisters der Kirchengeschichte Hubert Jedin die allergrößten Krisen ihrer Geschichte durchzustehen vermocht, weil sie die Bewahrung der anvertrauten Offenbarungswahrheiten durch das kirchliche Lehramt an die erste Stelle gesetzt hat. Dies geschah in Volksunterricht und Mission nicht zuerst mit hoher Theologie, sondern mehr mit einfachen Lehrstücken und elementaren Formeln, dem Apostolicum, dem Paternoster, dem Dekalog. Um 1600 stand die katholische Kirche besser da als vor der großen Kirchenspaltung um 1500. Das war auch eine Folge der geklärten und klaren Verkündigung insbesondere mit den Instrumenten des Trienter Catechismus Romanus für die Kleriker und der Jugendkatechismen des Petrus Canisius.

Damit sind wir beim gelben YOUCAT. Der legt wie der große Weltkatechismus oder das kleine Kompendium insbesondere den jungen Katholiken die Lehre ihrer Kirche dar gruppiert um die vier Hauptstücke: die 12 Artikel des Glaubensbekenntnisses als Kern der Offenbarung, die 7 Sakramente als Höhepunkte ihres Gottesdienstes, die 10 Gebote auf der Grundlage der Liebe und die 7 Bitten des Vaterunsers als Mitte ihres Betens. Diese auswendig und inwendig kennenzulernen, bietet doch alleine schon einem tastenden, suchenden Glauben Festigkeit und Struktur. Es ist unbedingt den Versuch wert, in katholischem Religionsunterricht, Jugendarbeit, Sakramentenkatechese neben und in allem bisherigen Engagement die YOUCAT-Katechese einzufügen.

Die gute Absicht vieler Lehrerinnen, Katechetinnen und Seelsorger, immer zuerst Lebenssituationen aufzugreifen und nur keine schnelle Antworten auf Fragen zu geben, die nicht gestellt werden, ist die Stärke und vielleicht gleichzeitig die Schwäche der modernen Katechese. Große Teile der Botschaft bleiben so außen vor. Jedes Vaterunser und jedes Glaubensbekenntnis jedoch bieten schon eine Fülle von Antworten auf Fragen, die der Beter gerade nicht stellt. Aber vielleicht stößt der Beter durch die Hauptstücke erst auf alte und neue Fragen. Und vielleicht findet er auch Antworten auf Fragen, die sich ihm durch Herausforderungen und Krisen des Lebens erst morgen stellen werden und an die er sich hoffentlich morgen erinnern wird.

YOUCAT ist ein großes Samenkorn, das nach und nach im Leben aufgehen wird. Paulus bittet seinen Schüler eindringlich, das ihm „anvertraute kostbare Gut“ (2 Tim 1,14) zu bewahren. Der Judasbrief spricht vom „überlieferten Glauben, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist“ (Jud 3). Die den Aposteln folgende Generation ist dann auch nicht auf den Gedanken gekommen, die nicht sofort eingängigen oder die nicht unmittelbar zu aktuellen Fragen passenden Teile des Glaubensbekenntnisses auszusortieren. Junge und suchende Katholiken mögen im YOUCAT Antworten auf Fragen finden, die sie bedrängen, und sich konstruktiv an Antworten reiben, die sie dabei ungefragt vorfinden.