Die Exegese und die historisch-kritische Methode: Weder schlimm noch unkatholisch

Zum Leserbrief von O.G.Elgner (DT vom 27. Mai): Dass Exegeten die wahren Trümmerfrauen und -männer sind, halte ich für leicht übertrieben. Der Papst beklagt in seinem Jesus-Buch manche Auswüchse der Jesus-Forschung, vor allem die Missachtung des 4. Evangeliums und die angebliche Produktion unechter Jesusworte. Aber Herr Elgner beklagt etwas ganz anderes: Die sogenannte Markus-Priorität, die Zwei-Quellen-Theorie (Abhängigkeit von Mt und Lk von Mk einerseits und von einer weiteren Quelle „Q“ andererseits), die Existenz von „Q“ selbst, die Zuschreibung von Briefen zu Aposteln, die nur im weiteren Sinne Autorenrechte daran haben.

Alles das diskutiert der Papst in seinem verdienstvollen Buch nicht, und vor allem ist alles Genannte weder schlimm noch unkatholisch noch die Ursache aller Missstände. Denn dass zum Beispiel Markus etwas von Matthäus übernommen haben soll, bedeutet noch lange nicht, dass es deswegen nicht historisch sei. Und die Annahme einer Quelle Q ist wie die Zwei-Quellen-Theorie eben eine Hypothese, die in jedem Einzelfall das erbringen müsste, was sie behauptet.

Ich kenne niemanden, der mit dieser Theorie rundum glücklich ist. Aber wenn man nichts Besseres hat, keine einleuchtendere Erklärung des Ursprungs der Evangelien (Versuche etwa bei meinem Schüler Professor Matthias Klinghardt in Dresden), dann hält man bis auf weiteres daran fest. Weder M. Wolter noch die Mehrzahl meiner vierzig doktorierten Schüler macht daraus ein Glaubensbekenntnis. Das wird daraus erst, wenn man mit dem unkritischen Holzhammer vorgeht.

Genau das zu verhüten, ist – aus meiner Sicht der Dinge – erklärte Absicht des Papstes und ein Bildungsziel für viele Menschen, gerade wenn sie zur Kirche stehen.