Die Debatte um sexuellen Missbrauch und die anschwellende Kulturkampf-Stimmung: Der Versuch, die Kirche kaltzustellen

Zum Osterfest 2010 hat die Kampagne gegen Papst und katholische Kirche, ausgelöst durch unverzeihliche Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern durch Geistliche unter manipulativer Missachtung der Relationen, eine nie gekannte Härte und Dimension erreicht. Vor allem die kriminelle Energie, mit der Papst Benedikt XVI., der seit 1995 alles zur Aufklärung und Ahndung der gemeldeten Fälle innerhalb der Kirche getan hat, in den Kinderschändersumpf gezogen werden sollte, war unerträglich. Aber Papst Benedikt XVI. weiß, dass er den Verrätern von Werten, Wahrheit und Würde nicht alleine widerstehen muss.

Jedenfalls hat Herr Marcello Pera (DT vom 30. März) weniger falsch geurteilt als der neue 41-jährige Chef von Radio Vatikan P. Bernhard Hagenkord SJ (Leserbrief, DT vom 7. April). Um die Einordnung der jüngten Geschehnisse zu erleichtern, sind Gedanken aus einem Interview dienlich, das der amerikanische Schriftsteller und Journalist George Weigel der italienischen Zeitung „La Stampa“ gegeben hat. Nach ihm ist die aktuelle Kontroverse um die katholischen Missbrauchsfälle in Deutschland ein Bestandteil des gerade laufenden Kulturkampfes im Westen. Da die katholische Kirche die letzte institutionalisierte Verteidigungsbastion für die Idee sei, dass es moralische Wahrheiten für die Welt und die Menschen gibt, sähen kirchenfeindliche Kräfte in den Verfehlungen von Söhnen und Töchtern der Kirche und in den Irrtümern gewisser Autoritäten die Gelegenheit, die Lehre der Kirche zu zerstören und ihre Glaubwürdigkeit und damit ihre Existenz zu vernichten.

Es handle sich zwar nicht um ein Komplott, aber um konvergierende Interessen: Zu Politikern und Journalisten, welche die Werteorientierung der Kirche bekämpften, kämen die Interessen von Advokaten, die ohne Skrupel versuchten, die Vermögenswerte der Kirche in die Reichweite der Gerichte zu ziehen. Endlich kämen dazu die Interessen von antikatholischen Laien, die jede Gelegenheit ergriffen, auf Kirche und Katholiken einzuschlagen, um noch nicht realisierte Umwälzungen in Gang zu setzen: das Ende des Zölibats, die Erlaubnis der Frauenordination und die Reduktion der Autorität der Bischöfe.

Unter kirchenfeindlichen Kräften aus Politik und Medienwelt sind Säkulare und Atheisten zu subsummieren, welche auch in Deutschland seit langem die gesellschaftliche Kaltstellung der wertorientierten katholischen Kirche wegen ihrer konkurrierenden Gegenposition zum relativistischen Meinungspluralismus einer bindungslosen, säkular-atheistischen Gesellschaft betreiben. Sie bilden im Bundestag eine organisierte, parteiübergreifende Gruppe von namentlich bekannten Abgeordneten, die immer dann in Erscheinung tritt, wenn gegen Papst und Kirche gepunktet werden kann. Zu denen gehört die Bundesjustizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger.

Mit den „Irrtümern gewisser Autoritäten“, die die Lehre der Kirche zerstören, spricht Weigel jene liberalen Theologen an, die durch die Ablehnung der apostolischen Herkunft der neutestamentlichen Schriften Ergebnisse geliefert haben, die sich gegen die Wurzeln der Kirche instrumentalisieren lassen. Wer mit den antikatholischen Laiengruppen in Deutschland gemeint ist, braucht hier nicht erörtert zu werden.

So gesehen bündeln sich in den Misshandlungsvorwürfen gegen Bischof Walter Mixa, scheinjuristisch gestützt durch eidesstattliche Versicherungen, skandalisiert durch Presse und Rundfunk, die von Weigel genannten antikatholischen Interessen in idealtypischer Weise: Die Werte- und Romtreue der Person des Bischofs soll beschmutzt, das Bischofsamt beschädigt werden. Dass die Anschuldigungen juristisch geklärt werden müssen, steht außer Frage, schon wegen der unglaubwürdigen Details in Anklage und Berichterstattung und der Vorverurteilungen, die im Unschuldsfall den Tatbestand des Rufmords erfüllen. Das alles hat mit den sexuellen Missbrauchsfällen schon lange nichts mehr zu tun!

Noch eins: Die Medien müssen sich fragen lassen, ob es für sie noch die personale Würde des Menschen gibt und auf welcher Seite sie im Kampf um die Wahrheiten und Werte des Christentums stehen, oder ob sie Arm in Arm mit den antikatholischen Kräften das Erbe einer ausgeboxten katholischen Kirche in Europa antreten wollen.