Dialogprozess : Ausgebuht, weil die Lehre der Kirche verteidigt

Die von Kardinal Schönborn angesprochene Selbstsäkularisierung der Kirche ist in Deutschland bittere Realität („Das Christentum: Wurzel oder Fremdkörper Europas?“, DT vom 22. September). Das wurde bedrückend erlebbar beim Dialogforum der Deutschen Bischofskonferenz (DT vom 20. September). War zum Gespräch über die „Diakonia“ der Kirche eingeladen worden, über Caritas und politisch-gesellschaftliche Verantwortung, geriet diese Veranstaltung von Anfang bis Ende zu einem Tribunal über die Sexuallehre der Kirche, über die behauptete Diskriminierung der Frauen in der Kirche und die Stellung der wiederverheirateten Geschiedenen. Man musste sich im Sinne des von Kardinal Schönborn zitierten österreichischen Kanzlers Kreisky schon als einer der „sehr, sehr religiösen Menschen“ vorkommen, wenn man nicht in den Chor der beteiligten „Spitzenkatholiken“ einstimmen wollte, die bei allen genannten Themenfeldern nur am Mainstream der Gesellschaft Maß nehmen wollten und dieses Maß mit dem Schlagwort „Barmherzigkeit“ gegen die überkommene Lehre der Kirche in Stellung brachten.

Der Verfasser dieser Zeilen nahm an dem Treffen als Vertreter des „Forums deutscher Katholiken“ teil und musste erfahren, ausgebuht zu werden, als er meinte, auch in den Fragen um Ehe und Sexualität dürfe sich die Kirche nicht der Gesellschaft anpassen, sondern aus eigener Erkenntnis und damit aus der Wahrheit schöpfen – und müsse dann auch in diesem Kontext „Gegensatzbewegung“ sein. Der Wiener Kardinal hat recht, wenn er an die Anmahnung des Heiligen Vaters im Freiburger Konzerthaus erinnert, die Kirche – in Deutschland zumal – bedürfe der „Entweltlichung“. Und unsere Bischöfe? Mein Erlebnis beim Dialogforum ließ mich mit Blick auf die Deutsche Bischofskonferenz als Initiatorin dieses „Dialoges“ betroffen und verstört an Goethes „Zauberlehrling“ denken!