Der bischöfliche Aufruf zur Bereitschaft zur Organspende und die Interessen der Transplantationsmedizin: Wozu die Zwecklüge vom Hirntod dient

Vor einiger Zeit erschreckte mich die Überschrift auf der ersten Seite der „Salzburger Nachrichten“: Die Deutsche Bischofskonferenz hat entschieden, sich für die Organspende „stark zu machen“. Wissen die Bischöfe, was sie damit tun? Was sie damit tun, haben zum Glück die Erfinder des „Hirntods“ selbst inzwischen mit wünschenswerter Klarheit gesagt. Im Hastings Center Report 38, Nr. 6, 2008, haben Professor Truog und Professor Franklin Miller, National Institutes of Health, einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel: „Rethinking the Ethics of Vital Organ Donation“ (Neu überdenken der Ethik der vitalen Organspende). Sie stellen fest, dass „the practice of brain death in fact involves killing the donor“ (Die Praxis des Hirntods schließt faktisch die Tötung des Spenders ein). Das Töten des Spenders durch Organentnahme solle als „justified killing“ (gerechtfertigtes Töten) angesehen werden. Damit ist das Lügengewirr um den Hirntod schlicht erledigt. Aber die Verantwortung, in die sich Bischöfe mit einer Beteiligung an der Tötung unzähliger Menschen damit stürzen, ist unvorstellbar. Nach der Klärung der Sache durch die Erfinder des Hirntods können sie nicht mehr sagen, sie hätten es nicht gewusst. Die Wahrheit wäre auch schon früher zugänglich gewesen, aber man hat sich wohl nicht darum gekümmert.

Das von einem ad hoc Komitee der Harvard Medical School 1968 eingeführte „Hirntodkriterium“ hatte erklärtermaßen den ausschließlichen Zweck, von einem hirngeschädigten Menschen vitale Organe für die Transplantation entnehmen zu können. Vitale Organe können nur von einem noch lebenden Menschen gewonnen werden. Daher musste ein Weg gefunden werden, der den Eindruck gibt, dass der Mensch schon irgendwie tot sei. Dazu wurde als neue Todesdefinition der Begriff „Hirntod“ eingeführt. Mit dessen Hilfe sollten dann vitale Organe für die Transplantation gewonnen werden. Die Erfinder des Hirntods wussten natürlich, dass der Hirntod nicht den wirklichen Tod des Menschen bedeutet. Weil aber Organe nur von einem lebenden Menschen für die Transplantation brauchbar sind, musste die Zwecklüge des Hirntods eingesetzt werden. Und diese Zwecklüge wird fanatisch verteidigt mit der Behauptung, der Hirntod bedeute den Tod des Menschen. Wenn er das wirklich bedeuten würde, wäre ja der Zweck des Hirntods verfehlt. Denn von einem wirklich Toten können die Organe nicht mehr übernommen werden. Daher musste die Organentnahme mit der Zwecklüge „Hirntod“ gedeckt werden.

Ich möchte hier ein sehr früh bezeugtes Beispiel anführen, das klar zeigt, dass der Hirntod nicht den Tod des Menschen bedeutet. Professor Paul Byrne hat bereits 1975 eine Erfahrung gemacht, die ihm zeigte, dass der Hirntod nicht den Tod des Menschen bedeuten kann. Er ist Professor für Kinderheilkunde an der medizinischen Universität in Ohio (USA). Ein Kind, Patient Joseph, war bereits sechs Wochen (sic!) künstlich beatmet worden. Das EEG wurde als dem Hirntod entsprechend angesehen. Die Kollegen drängten Byrne, endlich die Organe zu entnehmen, damit der Fall abgeschlossen werden kann. Byrne hat jedoch die Organe nicht entnommen und die Behandlung fortgesetzt. Das Kind wurde gerettet. Zum Zeitpunkt des Berichtes über diesen Fall bei einem von Papst Johannes Paul II. gewünschten Kongress im Februar 2005 war Joseph verheiratet und Vater von zwei Kindern. Beruflich war er Feuerwehrmann. Hätte Dr. Byrne nach den Kriterien der Hirntod-Diagnose gehandelt, wäre dieses Leben eines Kindes definitiv zerstört worden. Diese klinische Erfahrung hat Byrne bereits 1975 die Gewissheit gegeben, dass der Hirntod nicht den Tod des Menschen bedeuten kann. Der Kongress vom Februar 2005, an dem hochrangige Wissenschaftler teilgenommen haben, hat das eindeutige Ergebnis gebracht, dass der Hirntod nicht den Tod des Menschen bedeutet.

Das Ausmaß, in dem von Ärzten und Interessenten am Hirntod in den vergangenen Jahren Feststellungen getroffen wurden, dass der Hirntod die sicherste Todesdiagnose sei und völlig einwandfrei, ist erschreckend. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass selbst Bischofskonferenzen und staatliche Organe zur Bereitschaft zur Organspende ermuntern und es als eine Großherzigkeit rühmen, einen Todkranken durch die Spende von Organen zu retten. Was aber nicht dazu gesagt wird ist die Tatsache, dass die Bereitschaft zur Organspende die Bereitschaft einschließt, sich töten zu lassen. Und diese Tatsache wird durch die Zwecklüge des Hirntods verschleiert. Haben denn die Bischöfe keine Kenntnis von alledem, das die Erfinder des Hirntods inzwischen seit Jahren klargestellt haben?

Obwohl diese Tatsachen schon längst bekannt sind und immerhin seit 2008 öffentlich durch authentische Aussagen der Erfinder des Hirntods publik gemacht wurden, scheinen die Bischöfe und staatliche Organe nichts davon zu wissen. Das Interesse der Transplantationsmedizin an den Organen lässt die Wahrheit einfach nicht zu. Wenn sie nämlich zugelassen würde, müsste die Transplantationsmedizin sich auf Transplantationen beschränken, die mit paarigen Organen oder Organteilen gemacht werden können und den Spender nicht schädigen. Faktisch aber ist die Transplantationsmedizin ein Unternehmen, das durch Tötung des Spenders Leben retten will. Also: Leben retten durch Töten. Eine ungeheuerliche Absurdität.

Und hier stellt sich zwingend die Frage, ob in einem Rechtsstaat ein System geduldet werden darf, das zwar Leben retten will, dies aber auf Kosten von Tötung des Spenders der Organe machen will. Die Transplantationsmedizin lebt vom Töten der Spender. Die Verknüpfung des Unrechts der Tötung mit der Rettung von Leben scheint das zu rechtfertigen. Die Transplantationsmedizin hat einen Weg beschritten, der das Lebensrecht des Spenders völlig missachtet und vom Töten der Spender lebt. Wie kann das mit den Grundlagen eines Rechtsstaates vereinbar sein? Nachdem die Erfinder des Hirntods selbst exakt geklärt haben, was die Anwendung des Hirntodkriteriums bedeutet, ist das Geschwätz über den Hirntod an sich erledigt. Das fanatische Festhalten am Hirntod wird aber wohl auch durch die klarste Wahrheit nicht zu überwinden sein. Denn die finanziellen Interessen, die mit der Transplantationsmedizin verbunden sind, sind übermächtig. Aber ein Rechtsstaat kann ein Staat nicht mehr sein, der ein System duldet, das von der Notwendigkeit lebt, töten zu müssen, um einem anderen das Leben zu retten.

Papst Johannes Paul II. hatte zu dem Problem der Organspende bereits in einer Ansprache vom 14. Dezember 1989 für einen von der „Päpstlichen Akademie der Wissenschaften“ veranstalteten Kongress über die Bestimmung des Todeszeitpunktes erklärt: „Es scheint sich tatsächlich ein tragisches Dilemma aufzutun: Einerseits sieht man die dringende Notwendigkeit, Ersatzorgane für Kranke zu finden, die in ihrer Schwäche sterben würden oder zumindest nicht wieder genesen können. Mit anderen Worten, es ist verständlich, dass ein Kranker, um dem sicheren oder drohenden Tod zu entgehen, das Bedürfnis hat, ein Organ zu empfangen, welches von einem anderen Kranken bereitgestellt werden könnte... In dieser Situation zeigt sich jedoch die Gefahr, dass man einem menschlichen Leben ein Ende setzt und endgültig die psychosomatische Einheit einer Person zerstört. Genauer, es besteht eine wirkliche Wahrscheinlichkeit, dass jenes Leben, dessen Fortsetzung mit der Entnahme eines lebenswichtigen Organs unmöglich gemacht wird, das einer lebendigen Person ist, während doch der dem menschlichen Leben geschuldete Respekt es absolut verbietet, dieses direkt und positiv zu opfern, auch wenn dies zum Vorteil eines anderen Menschen wäre, bei dem man es als berechtigt ansieht, ihn derart zu bevorzugen.“

Inzwischen ist diese „wirkliche Wahrscheinlichkeit“ durch zahlreiche dokumentierte Fälle erwiesen, in denen nach der „Hirntoddiagnose“ den für tot Erklärten die Organe nicht entnommen werden konnten und sie bei richtiger Behandlung überlebt haben und wieder gesund geworden sind, darunter junge Menschen, die noch das ganze Leben vor sich hatten.

Ich möchte nur noch auf das Faktum hinweisen, dass in allen mir bekannt gewordenen Fällen, in denen Hirntod „diagnostiziert“ worden war, aber die Organe dann nicht entnommen werden durften, die „Hirntoten“ durch richtige Behandlung überlebt haben und wieder völlig gesund geworden sind. Der polnische Arzt Dr. Jan Talar allein kann inzwischen auf über 250 solche dokumentierte Fälle verweisen. Er hat eine Spezialklinik zur Behandlung solcher Patienten gegründet und wird von den Transplantationsmedizinern entsprechend gehasst und verfolgt.

Ein besonders dramatisches Beispiel ist das des Priesters Don Vittorio vom Institut Christus König und Hoher Priester. Nach einem schweren Autounfall wurde er für hirntot erklärt. Der Generalobere des Instituts protestierte jedoch gegen die Organentnahme und verlangte die Verlegung in ein anderes Krankenhaus. Durch die dort erfolgte Pflege kam er wieder zum Bewusstsein und wurde schließlich geheilt. Er kann seinem priesterlichen Dienst wieder nachgehen. Niemand wird bestreiten können, dass er durch die vorgesehene und bereits vorbereitete Organentnahme getötet worden wäre. Das in solchen Fällen zu hörende Argument: „Dann war die Hirntod-Diagnose falsch und daher beweise der Fall nichts gegen ihre Gültigkeit“, ist in sich falsch. Denn die Hirntod-„Diagnose“ ist, wie hervorragende Wissenschaftler bei dem Kongress am 3. und 4. Februar 2005 bei der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften festgestellt haben, nicht eine „Diagnose“, sondern eine „Prognose“, die immer falsch oder richtig sein kann. Ob sie falsch war, erfährt man jedoch nur, wenn dem Patienten die Organe nicht entnommen wurden. Wenn sie entnommen wurden, ist der Patient unwiderruflich tot. Aus der Zahl der durchgeführten Transplantationen kann man darauf schließen, wie viele Menschen seit Einführung des Hirntodkriteriums effektiv durch Organentnahme getötet worden sind.