Der Platz der alten Messe in den Gemeinden: Beschränktes Gastrecht

Obwohl in allen Bistümern heute viele Kirchengebäude mangels aktiver Gemeinde nicht mehr gebraucht werden und daher entweder leer stehen, umgewidmet oder aber abgerissen werden (selbst wenn diese unter Denkmalschutz stehen und gegen den Willen der Pfarrgemeinde, Beispiel: St. Johann Baptist in Krefeld), lassen viele zuständige Pfarrer im Verein mit den Pfarrgemeinderäten es nicht zu, dass sich die traditionellen Katholiken in ihren verbliebenen Kirchengebäuden zur Eucharistiefeier nach dem alten, seit fünfhundert Jahre gültigen Messritus versammeln. Zwar erfolgt ausnahmsweise dann doch hier und da eine gastweise Zulassung zur Feier der tridentinischen Messe, wenn zuvor der allerhöchste Segen des Ortsbischofs (dessen es nach Summorum Pontificum ja gar nicht bedarf) dazu eingeholt und ein ihm als geeignet erscheinender, dem Bistum inkardinierter Geistlicher, der die traditionelle Messe noch zelebrieren kann, gefunden wurde. Doch wird dieses Gastrecht nur sehr beschränkt und unter Auflagen erteilt, etwa keine Freigabe des Kirchengebäudes für eine traditionelle Messe am Sonntagabend, auch wenn zu dieser Zeit der Kirchenraum von der Gemeinde nicht benötigt wird.

Vor einigen Tagen erlebte ich in einer Gesprächsrunde des Beauftragten des Bischofs mit unserer kleinen Gemeinschaft und dem zuständigen Pfarrer die kontroversen Standpunkte um diese Fragen. Während der Beauftragte des Bischofs (Bistum Aachen) entgegen der bisher gepflegten Praxis unter dem vorigen Bischof (Mussinghoff) nun keine Bedenken mehr gegen eine Messe am Sonntagabend hatte, allerdings die bisherige Forderung nach einem inkardinierten Zelebranten beibehielt, wollten der Ortspfarrer und sein Pfarrgemeinderatsvertreter das Gastrecht für unsere Gemeinschaft zur Feier der Eucharistie nur zu ganz besonderen Anlässen, statt wie bisher nur am Montag für den Sonntagabend gewähren. Der Pfarrer versuchte die harte Haltung mit der (fadenscheinigen) Behauptung zu begründen, die Ausweitung des Gastrechts könnte zu einer Spaltung seiner Pfarrgemeinde führen.

Interessant erscheint mir noch der Hinweis des Beauftragten des Bischofs auf eine (irgendwann erfolgende) Personalprälatur der Priesterbruderschaft St. Pius X. Dann wäre, so ist aus dem Hinweis zu folgern, das Bistum die Sorge um die Messfeier der Traditionalisten los. Mit Recht bezweifelt Dr. Heinz-Lothar Barth jedoch (DT vom 29. August), dass die neueste Stellungnahme von Papst Franziskus, der eine Rückkehr der Kirche zur überlieferten lateinischen Messe kategorisch ausschließt, eine Einigung mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. fördert.

Die durch die harte Haltung der zuständigen Kirchenvertreter eventuell schon jetzt genötigte Teilnahme von einigen unserer Gemeinschaft an einer Eucharistiefeier der Piusbrüder wies der Bischofsbeauftragte (wohl wider besseres Wissen) als „verboten“ zurück. Vor Ende der Diskussionsrunde verließ ich diese, da ich die von wenig christlichem Geist geprägte Haltung der Kirchenvertreter gegenüber unserer traditionellen Gemeinschaft nicht mehr verstehen konnte.