Den Glauben weitergeben: Zur Diskussion um Religionsunterricht und Katechese: Ohne geistliches Leben geht es nicht: Zur liebevollen Beziehung mit Gott hinführen: Glaubenswahrheiten sind unter den Tisch gefallen

In den jüngsten Ausgaben der „Tagespost“ haben sich verschiedene Leser mit dem heutigen katholischen Religionsunterricht auseinandergesetzt. In diesen Briefen wurde immer wieder deutlich, welcher Last und welcher Verantwortung der Religionslehrer und die Religionslehrerin heute ausgesetzt sind. Für sie gilt in besonderem Maße, was für alle Christen seit je gegolten hat: dass es ohne geistliches Leben nicht geht und dass es dazu der Hilfe bedarf.

Eine solche Hilfe bieten sicher die Zeugnisse von Menschen, denen das geistliche Leben zu einer unverzichtbaren Orientierungs- und Kraftquelle geworden ist. Der Autor Henri Nouwen (1932–1996) darf hier genannt werden, und ich möchte auf eines seiner Bücher hinweisen, das mich zurzeit beschäftigt: „Geliebt sein“, erschienen im Herder-Verlag. Es zeigt in der klaren Sprache des Verfassers auf, „was es heißt, heute als Christ zu leben“. Auf Seite 53 berichtet Nouwen von einer Begegnung mit Mutter Teresa in Rom und zitiert ein Wort, das sie ihm damals am Ende des Gespräches mitgegeben hat und das ihn in eine noch größere geistliche Tiefe geführt hat: „Wenn Sie eine Stunde am Tag damit verbringen, den Herrn anzubeten und niemals etwas tun, von dem Sie wissen, dass es falsch ist, dann wird es Ihnen gut gehen.“

Ich bin überzeugt, dass wir heute solche Anstöße brauchen, wenn wir christlich (über-)leben oder sogar anderen zum christlichen Glauben verhelfen wollen.

Zurück zum Beruf des Religionslehrers: Im geistlichen Leben liegt die Kraft, die den Zumutungen heutiger religionspädagogischer Konzepte noch gewachsen sein kann.

Das Bewusstsein für den Mangel an wirksamer und nachhaltiger Glaubenserziehung hierzulande wächst. Mich freut das zunehmende Suchen nach Lösungen. Dies lässt hoffen und das ist christlich. Wieviele Christen sind bereits seit Jahrzehnten frustriert, weil mit enormem Aufwand und Geld an teuren theologischen Hochschulen und Universitäten Theologen und Religionspädagogen ausgebildet werden und das proportionale Versiegen des Glaubens doch nicht zu stoppen scheint.

War es allzu leichtsinnig, sich auf den schulischen Religionsunterricht zu verlassen, in der Hoffnungsgewissheit, dort würde ein Glaubensfundament gleich mitgeliefert werden, obwohl sich in unserer Zeit Ideologien aus allen Richtungen überschlagen, die sich seit Jahrzehnten einen Weg in die Kirche fressen (wollen)?

Wurde nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, als man den Katechismus-Unterricht ersatzlos strich, weil auswendig lernen und rezitieren von Glaubenssätzen aus der Mode kam, statt vernünftig und selbstbewusst weiterentwickelt zu werden?

Die Schulen beschränken sich auf abfragbares Wissen in der Religionsvermittlung, es sei denn, ein Lehrer lebt selbst aus der Quelle, von der er erzählt, aus einer lebendigen Beziehung mit Gott. Dann ist Faktenwissen zweitrangig. „Nur ein Feuer, das in mir brennt, entzündet (laut Augustinus) die Herzen der anderen.“ Ein Lehrer, der so lebt, erreicht auch heute die Schüler schneller als alle multimedialen Geräte zusammen.

Verrückt ist die Tatsache, dass manchen Religionslehrern schon im Studium subtil „verboten“ wird, vom eigenen Glauben Zeugnis abzulegen. Die Freiheit der Schüler sei in Gefahr: „missionieren“ verboten! Ich war irritiert, als ich das hörte und musste erst einmal folgendes durchbuchstabieren: Jawohl, es ist unser schönster Auftrag, die Liebe Gottes zu den Menschen zu tragen. „Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst. Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg, 4, 19b–20)

Fazit: Wir haben Religionsunterricht, der allein ist weltweit gesehen ein Privileg, reicht aber nicht aus, um Glauben zu generieren. Uns fehlt eine „in unsere Zeit übersetzte Katechese“, die die unverbogene Wahrheit der Kirche (Hl. Schrift, KKK etc.) zu den Menschen transportiert, um uns in eine persönliche liebevolle Beziehung mit Gott wachsen zu lassen und zur echten Freiheit führt.

Die Kirche in Frankreich ist uns, trotz der minimaleren monetären Möglichkeiten meilenweit voraus. Glaubensunterricht findet in den Pfarreien statt. Dort ist es nicht peinlich, wenn der Katechist seine leidenschaftliche Liebe zu Christus und der Kirche bekundet.

Damit nicht jeder den Druck hat, das Rad neu erfinden zu müssen, möchte ich auf einen Weg der Glaubensvermittlung für Kinder hinweisen, der sich in Frankreich seit 40 Jahren einen Namen gemacht und die Imprimatur zum katechetischen Gebrauch der dortigen Bischofskonferenz erhalten hat. „Viens, suis-moi“ oder „Komm, folge mir nach“ wird in Weisendorf bei Erlangen und in zwei Münchner Pfarreien seit nunmehr fünf Jahren angeboten. Die Katechese beruht auf wenigen Säulen: Dem Gebet der Katechisten um den Heiligen Geist, der Heiligen Schrift, der Lehre der Kirche (KKK, catechese tradendae) und entwicklungspsychologischen Prinzipien.

Wer nicht glaubt, wird diesen Dienst nicht tun können. Nicht nur die Berufung befähigt uns zur Katechese, sondern es ist das gemeinsame Gehen vor allem mit Mitgliedern des Säkularinstitutes Notre Dame de Vie, Weisendorf, die unsere Berufung wecken, entwickeln und begleiten und uns ins Innere Gebet einführen.

Ich möchte mit einem Zitat von Papst Johannes Paul II. vom 4. Oktober 1990 über die Katechese schließen: „Die Katechese kommt an einen besonders sensiblen Punkt, wenn sie zur Schule des Betens wird, das heißt zum liebevollen Gespräch mit Gott, dem Schöpfer und Vater, mit Christus, dem Meister und Retter, mit dem Heiligen Geist, der das Leben schenkt. Dank dieser Unterweisung bleibt das Gehörte und Gelernte nicht im Kopf, sondern erfasst auch das Herz und durchdringt das Leben. Ja wirklich, die Katechese kann sich nicht damit zufriedengeben, die Wahrheiten des Glaubens zu verkünden. Sie muss darauf hinzielen, die Antwort des Menschen hervorzurufen, damit jeder seine Rolle im Heilsplan spielt und bereit ist, sein Leben für den Auftrag der Kirche hinzugeben.“ (freie Übersetzung aus dem Französischen)

Mit Interesse, aber auch mit einiger Skepsis habe ich in der „Tagespost“ vom 28. Oktober den Artikel „Kirche für die Allerjüngsten“ gelesen. Wie hat wohl der gegenwärtige Papst Benedikt XVI. beziehungsweise seine Vorgänger das Interesse am Glauben kennengelernt? Man kann es sicher in ihren Lebensbiographien nachlesen. Wie haben die zahlreichen Heiligen und Seligen, von denen man bereits echte Photographien hat, die Liebe zur Kirche allmählich gespürt? Solche Krabbelgottesdienste, wie sie jetzt angeboten werden, haben sie sicher nicht gekannt. Ob die jetzigen Möglichkeiten, die in katholischen und evangelischen Kirchen angeboten werden, nachhaltige Wirkungen hervorbringen, wird die Zukunft erweisen.

In der letzten Zeit ist jedenfalls in einem Artikel von Frau Metternich und darauffolgenden Leserbriefen vielfach Kritik laut geworden, dass die jetzigen Religionsbücher, die auch von den Bischöfen gutgeheißen und approbiert worden sind, völlig unzulänglich sind, weil zahlreiche Wahrheiten des katholischen Glaubens einfach unter den Tisch fallen. Die Bischöfe Österreichs wie auch die Bischöfe Deutschlands und sicher auch die von anderen Ländern hat der Papst bei den ad-limina-Besuchen ausdrücklich an den Katechismus als Grundlage für die Weitergabe des Glaubens erinnert. Mit welchem Erfolg?

Bischof Andreas Laun hat ein achtbändiges Werk für den Religionsunterricht herausgegeben, das den Katechismus zur Grundlage hat. Besonders der 8. Band „Der Christ in der modernen Welt“ wäre sicher auch für die Erwachsenen ein großer Gewinn, eine passende Möglichkeit, den katholischen Glauben besser kennenzulernen beziehungsweise vergessene Wahrheiten in Erinnerung zu rufen.

In meinem Buch „Adresse Himmel – Liebesbriefe von P. Leopold“, das trotz mangelnder Unterstützung innerhalb von drei Monaten vergriffen war, habe ich eingehend geschildert, wie ich als Kind den Glauben kennen und lieben gelernt habe. Ein Gottesdienst dauerte damals circa eineinhalb Stunden. Die christliche Symbolik des Kirchenjahres, wie sie gerade die Wochenschrift „Lebe mit der Kirche“ von Pius Parsch vom Stift Klosterneuburg, das ja vom hl. Markgrafen Leopold III. gegründet wurde, gezeigt wurde, hat mich als Kind ungeheuer fasziniert. Ein Bild vom heiligen Böhmenherzog Wenzel in einer Heiligenlegende, wie er gerade Hostien bäckt und Wein keltern lässt für die heilige Messe, hat mich auf die Bedeutung der heiligen Messe aufmerksam gemacht. Der Fe-Medienverlag hat sich entschlossen, das Buch in wenigen Wochen neu herauszugeben. Es soll ja auch ein Beitrag sein zur Neu-Evangelisierung.