Debatte um Katholische Soziallehre: Auf die Freiwilligkeit kommt es an

Mit Interesse habe ich die vier Artikel zur sozialen Marktwirtschaft der Professoren Schallenberg und Rhonheimer, sowie Herrn Küppers verfolgt. Dabei haben mich im Beitrag von Schallenberg (DT vom 18. Februar) besonders zwei Dinge irritiert: zum einen stellt er das Recht des Bürgers in den Vordergrund, „teilzuhaben am gesellschaftlichen Wohlstand, auch wenn dieser nur von wenigen produziert wird“. Müssen da nicht die Vorzeichen genau umgekehrt gesetzt werden? Ist nicht die sittliche Pflicht des Einzelnen prioritär, sich an der Produktion gesellschaftlichen Wohlstands nach besten Kräften zu beteiligen? Will er damit einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ das Wort reden?

Ferner verwundert mich sein Beispiel vom reichen Prasser. Dieser wäre seinem Schicksal entronnen, wenn er mit der „sanften Gewalt der Besteuerung zu effektiver Barmherzigkeit gezwungen“ worden wäre. Mir fällt es schwer zu glauben, dass der reiche Prasser damit vor dem lieben Gott besser dagestanden hätte. Man kann zwar jemanden zwingen, Geld für einen guten Zweck herzugeben, das hat jedoch nichts mit Barmherzigkeit zu tun und führt nicht zwangsläufig zur Einsicht des Betroffenen. Es kommt doch auf die freiwillige Entscheidung an, das Gute zu tun. Ich denke, dies ist auch der einzige Punkt, an dem kirchliche Lehre und Seelsorge (im Sinne von Sorge um das Seelenheil) ansetzen kann. Ich stimme mit Prof. Rhonheimer überein, dass es nicht Aufgabe der Kirche sein kann, „Lehren“ über eine bestimmte Wirtschafts- und Sozialordnung zu verbreiten. Vielmehr muss die Kirche sich bemühen, in der Gesellschaft und besonders bei den Menschen, die über diese Dinge zu entscheiden haben, hierfür das christliche Fundament zu legen.