Debatte um Entscheidung für oder gegen Organspende: Übergang vom Diesseits ins Jenseits schützen

Zu dem Beitrag „Der harmonische Bundestag“ (DT vom 15. Juni) und dem Leserbrief von Anton Graf von Wengersky „Neue Erkenntnisse zum Hirntod“ (DT vom 21. Juni): In der Diskussion um die Einführung der Widerspruchslösung zur Erhöhung der Zahl der „Organspenden“ wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass „Organspender“ tot sind.

Das eigentlich Beklemmende an dieser Diskussion, mal ganz abgesehen von einer Tötung durch Organentnahme, ist, dass sich Bischöfe kaum zu Wort melden oder weiterhin mit breiter Brust „Organspenden“ befürworten, als ob es keine zwingenden neue Erkenntnisse gebe, dass das Hirntodkriterium als Todesfeststellung hinfällig ist.

Unsere Hirten sollten ihre Augen, ihre Ohren und ihren Mund öffnen, statt billigend eine praktische Häresie auf den Auferstehungsglauben hinzunehmen. Wer einen Auferstehungsglauben verkündet, für den kann es nichts Wichtigeres geben, als dass der Übergang eines Menschen vom Diesseits in das Jenseits geschützt wird – unbedingt geschützt wird, damit ein Sterbender sich im Sterben vollenden kann. Das Argument etwa, dass man einer Mutter durch eine Organübertragung das Weiterleben für ihre kleinen Kinder sichern müsse, hat in einer kirchlichen Diskussion zurückzustehen gegenüber einem geschützten Übergang vom Diesseits in das Jenseits.