Debatte Lebensschutz: Ein Netzwerk der Nächstenliebe

Mit sehr großem Interesse habe ich Ihr hochinformatives Interview mit dem Projektleiter von 1000plus, Kristijan Aufiero, sowie die Leserzuschriften zum Thema verfolgt. Herrn Aufieros profunder Analyse zur gesellschaftlichen Lage des Lebensschutzes, aus der unübersehbar die jahrelange Erfahrung mit unmittelbar Betroffenen spricht, stimme ich in jeder Hinsicht zu. Die Herkulesaufgabe besteht in der Tat darin, das in der öffentlichen Meinung nach wie vor herrschende und schier unausrottbar scheinende Klischee zu überwinden, dass jene, die für die Unantastbarkeit und unverlierbare Würde des Lebens eintreten, nichts als engstirnige Moralisten seien, die sich gegen Frauenrechte positionieren würden.

Doch durch die tausendfachen Erfahrungen mit Frauen im existenziellen Schwangerschaftskonflikt, über welche die 1000plus-Beratung verfügt, ist das genaue Gegenteil nicht nur theoretisch, sondern praktisch konkret nachgewiesen: Frauenrechte werden in Wahrheit nur dort verteidigt, wo die Unantastbarkeit des Lebens und damit ja gerade auch die Unversehrtheit der schwangeren Frau durch liebevollen Beistand und tatkräftige, lösungsorientierte Hilfe gegen den grausamen und herzlosen Abtreibungsdruck geschützt wird.

Ohne Zweifel wird durch den Einsatz engagierter Pro-Lifer auf journalistischem, politischem und wissenschaftlichem Gebiet Großartiges geleistet, was für die öffentliche Diskussion auch in Zukunft von hohem Wert und unerlässlich bleiben wird. Ich teile die Überzeugung Kristijan Aufieros, dass das mit Abstand wirksamste Mittel im Kampf gegen die Abtreibung die bedingungslose tätige Nächstenliebe ist. Das eindringliche Wort von der radikalen Solidarität mit der Frau im Schwangerschaftskonflikt, das uns der heilige Johannes Paul II. hinterlassen hat, steht dieser Überzeugung Pate. Die einfache, aber originelle und faszinierende Idee eines regelrechten „Netzwerks der Nächstenliebe“ der christlichen Gemeinden, in denen Schwangere in Not liebevolle Annahme, Geborgenheit und echte Hilfe finden könnten, bedeutet nichts anderes, als diese „radikale Solidarität“ in ihren praktischen Konsequenzen zu Ende zu buchstabieren. Mit dramatischen Auswirkungen zum Guten, wenn sie wahr würden! Ohne Frage ein kühner Gedanke. Aber kein wirklichkeitsfremder.