Das Wort der deutschen Bischöfe zu „Amoris laetitia“: Endlose Auseinandersetzungen

Zu „Ein Bischofspapier als Druckventil“ (DT vom 9. Februar): Dieser und die vielen anderen Beiträge zum Thema „Amoris laetitia“ zeigen doch, dass nun eintritt, was vorausgesehen wurde. Endlose Auseinandersetzungen um die Deutung und Praxis in den Ortskirchen. Verwirrung und pastorale Verunsicherung allerorten. Viele Geistliche fühlen sich völlig überfordert. Das „Fußnotenlehramt“ löst selbst in höchsten Kreisen verbissene Diskussionen aus. Unverständlich auch, warum die „dubia“ von vier Kardinälen nicht beantwortet werden. Klärungen sind scheinbar unerwünscht. Die Vatikanpresse befleißigt sich einer einseitigen Lesart im Deutungschaos. Das entwickelt sich jetzt zu einer ausgewachsenen Kirchenkrise und massiven Spaltung. Dies war den Verantwortlichen aber ganz klar und wurde billigend in Kauf genommen.

Unabhängig davon, auf welcher Seite der Einzelne in dieser Spaltung steht, können die meisten diesen absehbaren und bewusst herbeigeführten Zustand der Kirche wohl nur als ziemliche Katastrophe bewerten. Wenn man überlegt, dass es für Betroffene vorher wie nachher individuelle Lösungen gab und gibt, muss man die Frage nach dem Sinn und dem Ziel dieser päpstlich verantworteten Situation stellen. Und zusammenfassend gefragt, ist der konkrete „Zugewinn“ diese manifestierte Spaltung der Kirche, wie sie jetzt offenbar wird und sich historisch dokumentiert, wirklich wert? Hätte der Status Quo mit einigen Präzisierungen nicht als „kleineres Übel“ für Spezialfälle ausgereicht? Und wer schließt bitte aus, dass aus der angeblich seltenen Ausnahme und dem verborgenen Pfad der Einzelfall-Dispens nicht doch eine Autobahn mit freier Fahrt wird, sehr zum Schaden unserer Ehe- und Sakramentenlehre? Ein Blick auf den „reformatorischen Fortschritt“ zum „verlorenen Sakrament“ der Versöhnung zeigt doch, wie so etwas geht. Man muss hoffen, dass die Zukunft Klärungen und Orientierung im Sinne der Lehre Christi bringen und dass die Bischöfe der echten und klaren Lehrkonformität in eigener Verantwortung höchste Priorität einräumen. Ferner sollten die Auswirkungen dieser Entscheidung wissenschaftlich korrekt begleitet werden. Was ist der Nutzen, was der Schaden? Die Kirche hat sich sehenden Auges in eine besorgniserregende Situation hineinmanövriert. An den Früchten werden wir in einigen Jahren die Verantwortlichen von heute erkennen.

Thomas M. Adam, 67304 Eisenberg