Das Konzil und die Erklärung zur Religionsfreiheit: Es gibt keinen Traditionsbruch

Zum Leserbrief „Es ist ein Kontinuitätsbruch“ von Pater Mathias Gaudrun (DT vom 6. Juni): P. Mathias Gaudrun versucht den Lesern der „Tagespost“ klarzumachen, mit seinen Aussagen über die Religionsfreiheit hätte das Zweite Vatikanum die bisherige Lehre der katholischen Kirche verfälscht. Die von ihm als Beweis angeführten Privatmeinungen von vier kirchenkritischen Personen sind nach logischen Gesichtspunkten völlig bedeutungslos. Er zitiert zum Beweis aber auch Papst Pius IX. mit seinem Syllabus von 1864. Dort lautet Satz 15: „Jedem Menschen steht es frei, eine Religion anzunehmen und zu bekennen, die er im Licht der Vernunft als die wahre Religion erachtet.“

Für Pius IX. ist dieser Satz falsch, weil die innere Freiheit des Menschen insoweit eingeschränkt ist, als er durch die moralische Pflicht, die Wahrheit zu suchen, angehalten ist, sein Gewissen zu bilden. Falsch ist der Satz auch, weil die Aussage: „...im Licht der Vernunft...“ zu kurz greift. Vielmehr handelt es sich bei der Wahrheitssuche um ein meist mühevolles Unterfangen unter Einbeziehung der freien Forschung, der Hilfe des kirchlichen Lehramts, der Unterweisung, des Gedankenaustauschs und des Dialogs. Soweit die vorkonziliare Lehre der katholischen Kirche. Und was sagt das Zweiten Vatikanum zur Religionsfreiheit? Zitat: „So bleibt das Recht auf religiöse Freiheit auch denjenigen erhalten, die ihrer Pflicht, die Wahrheit zu suchen und daran festzuhalten, nicht nachkommen, und ihre Ausübung darf nicht gehemmt werden, wenn nur die öffentliche Ordnung gewahrt bleibt.“

Einen Widerspruch dieses Konziltextes zur Lehre von Pius IX. kann nur derjenige erkennen, welcher entgegen den Gesetzen der Logik folgendes scheinbar kontradiktorisches Gegenteil des Syllabussatzes Nr.15 für wahr und für die überlieferte Lehre der Kirche hält: „Nicht jedem Menschen steht es frei, eine Religion anzunehmen und zu bekennen?“ Dies war nie Lehre der Kirche. Also gibt es keinen Kontinuitätsbruch.