Das Gedicht von Günter Grass und seine Behauptung, dass Israel den Weltfrieden gefährdet: Vera Lengsfeld mit großer Freude gelesen: Das schlimmste Manko ist das Nicht-Informiertsein

Mit großem Interesse und Freude habe ich den mutigen Essay „Der absolutistische Moralist“ (DT vom 10. April) der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld gelesen. Sie stellt fest: Es gibt in Deutschland und Europa einen linken Antisemitismus. Günter Grass behauptet in seinem Gedicht, Israel strebe danach, das iranische Volk zu vernichten und gefährde damit den Weltfrieden. In Wirklichkeit bedient sich Grass für Frau Lengsfeld dabei nur eines Klischees des modernen, linken Antisemitismus, der als Israel- oder Zionismuskritik daherkomme. Am vergangenen Ostersonntag berichtete die ARD auch über die sogenannten Ostermärsche und dass sich die Friedensbewegung hinter Grass gestellt habe. Nun, die linke Szene spielt in der Bundesrepublik nicht zuletzt in den Medien nach wie vor eine große Rolle, die jetzt, so Frau Lengsfeld richtig, wie die ARD Grass' Unterstellung Millionen Fernsehzuschauern unkommentiert als Tatsache serviert. Schon 2008 schrieb Jürgen Liminski in der „Tagespost“: „Die Epigonen von Marx, Engels und Lenin haben auch ein Verständnis von Medien, das sich an materialistischen Werten und Zwecken ausrichtet. Mehr als die Hälfte aller deutschen Journalisten gehört keiner Konfession an, zwei Drittel bezeichnen sich selbst als links oder mitte-links. Da nimmt es nicht wunder, dass Linke und Sozialdemokraten sich besonderer, meist sympathisierender Aufmerksamkeit erfreuen.“

Wie jüngst bekannt wurde, soll es in Deutschland immer noch bis zu 20 Prozent Antisemiten geben. Das ist eine erschreckende Zahl. Der italienische Schriftsteller und Chemiker Primo Levi, der Auschwitz überlebte und vor 25 Jahren starb, schrieb: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Besten Dank an Frau Lengsfeld.

Herr Günter Grass mag ein guter Schriftsteller sein, und Schriftsteller und Poeten waren zu allen Zeiten geeignet, unbequeme Wahrheiten zu sagen oder zu schreiben. Es gab Literaten, deren Aussagen mit den Meinungen der jeweils Herrschenden oft nicht übereinstimmten, was ihnen Ärger einbrachte.

Wenn sich Grass berufen fühlt, politische Aussagen zu machen, dann sollten diese fundiert sein. Sie sollten nicht das Nachplappern von oberflächlichen und einseitigen Parolen sein. Das schlimmste Manko in unserem Volk ist das gewollte oder aus geistiger Trägheit geförderte Nicht-Informiertsein. In einer Zeit des Informationsüberflusses kann man nicht ein so dilettantisches Gedicht veröffentlichen, wie Grass es getan hat. Er hat damit nicht für einen Deut zum Weltfrieden beigetragen, er hat sich vielmehr einmal mehr auf etwas zweifelhafte Weise ins Gespräch gebracht. Hoch zu schätzen ist die tadellose deutsche Sprache von Grass, aber angesichts seines grünen Flirts, seiner roten SPD-Liebedienerei und seiner braunen Nazi-Vergangenheit erinnert mich das ganze an einen Satz eines ausländischen Diplomaten, der meinte: Die deutschen Roten sind wie die Tomaten: erst grün, dann rot und zuletzt faulen sie.