Dank für die Ernte des Jahres

Marias Milch (II)
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Es ist wieder einmal Erntezeit bei uns im Garten. Kistenweise Äpfel haben wir in den letzten Tagen gepflückt, der Weinstock hängt noch voller Trauben. Ob Gurken, Tomaten oder Salat: wer im Frühjahr gepflanzt und das Gemüse den Sommer über gepflegt hat, kann nun die Ernte einfahren. Für mich ist es immer ein besonderes Gefühl, wenn wir auf dem Feld Kartoffeln lesen oder im Garten die Früchte ernten. Es zeigt mir, dass es jetzt endlich wieder einmal geschafft ist. Die Arbeit der letzten Monate hat sich gelohnt. Unkraut jäten, regelmäßiges Gießen, den Bocken hacken: all dies ist nicht vergeblich gewesen.

Bei der Ernte empfinde ich aber noch stärker ein anderes Gefühl: Dankbarkeit. Dankbarkeit Gott gegenüber, der alle meine Mühen gesegnet hat und die Pflanzen wachsen ließ. Alle meine Arbeit bleibt ja letztlich ergebnislos, wenn nicht Gott auch seinen Teil dazu beiträgt. Ihm gilt es Dank zu sagen, weil er es immer wieder ist, der uns oftmals so reichlich und im Übermaß mit den Früchten der Erde beschenkt. Gerade nach diesem Sommer, in dem es viel zu wenig Regen gab und die Pflanzen unter der Hitze zu leiden hatten, ist die große Ernte erstaunlich. Umso wichtiger ist es deshalb, Gott nicht zu vergessen, der in Liebe für seine Schöpfung sorgt, der Menschen und Tiere mit all dem beschenkt, was sie zum Leben brauchen.

Es ist gut, dass wir am ersten Sonntag im Oktober in der Kirche das Erntedankfest feiern, um uns eben daran zu erinnern, dass Gott uns alle diese guten Gaben immer aufs Neue schenkt. Das Buch Deuteronomium schreibt über das jüdische Erntedankfest – dem Laubhüttenfest Sukkot – folgendes: „Wenn dich der Herr, dein Gott, in allem gesegnet hat, in deiner Ernte und in der Arbeit deiner Hände, dann sollst du wirklich fröhlich sein“ (16,15). Wenn die Äpfel gepflückt, das Getreide gedroschen und der Wein in der Kelter ist, wenn wir all die guten Gaben betrachten, mit denen uns Gott in diesem Sommer beschenkt hat, dürfen wir fröhlich sein. Denn uns erfüllt die Gewissheit, dass Gott uns in seiner Liebe an seiner Schöpfung teilhaben lässt. Dafür dürfen wir Danke sagen. Auch deshalb, damit wir nie vergessen, dass alle Früchte der Natur nicht nur Produkt menschlicher Arbeit und Mühen sind. Es sind Gottes Gaben, die er allein austeilen kann, deren Wachsen und Gedeihen allein in seiner Hand liegen. Daran soll uns das Erntedankfest auch erinnern. Fröhlich dürfen wir es begehen, im Bewusstsein, dass Gott seine Schöpfung in Liebe erhält und mit reichen Gaben beschenkt.

Der Autor, 26, studiert Katholische Theologie in Würzburg