Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hofft auf einen neuen Papst : Provinziell, nicht weltkirchlich gedacht: Die obligate Papstschelte gehört dazu: Die Kirche nicht protestantisieren

Zu „Lammert hofft auf neuen Papst“ (DT vom 14. Januar): Seit geraumer Zeit weiß man, dass sich der amtierende Bundestagspräsident gern als kirchlicher Möchtegern-Hierarch aufspielt. Wenn er sich nur dessen inne würde, wie sehr er damit die Würde seines Staatsamtes verletzt: Denn die säkulare Öffentlichkeit interessieren seine damit verbundenen Themen nicht und die pseudo-intellektuellen Kreise, die das schätzen mögen, repräsentieren nicht jene stillen Beterinnen und Beter, die den wirklichen Kern des Gottesvolkes ausmachen.

Es ist auch unpatriotisch, was da der Bundestagspräsident treibt. Man musste nicht mit Bild rufen „Wir sind Papst!“, um die Bedeutung zu erfassen, dass einige Jahrzehnte, nachdem das Deutsche Reich für Satanisch-Böses stand, der Vikar Christi dasselbe Deutschland sein irdisches Vaterland nennt. Es ist schlicht unvorstellbar, dass sich etwa der Marschall des polnischen Sejm auch nur annähernd Lammert-artig geäußert hätte, als Johannes Paul II. Papst war.

Lammerts Einlassungen sind auch in törichster Weise provinziell. Denn seine und seinesgleichen Wunschträume sind gerade nicht die Sorgen und Anliegen der Weltkirche. Gerade außerhalb Europas und teilweise Nordamerikas haben die Menschen Freude am Glauben und an ihrer katholischen Kirche. Und oft führt sie diese Freude zur opferbereiten Treue wie gerade in den Tagen um Weihnachten in Nigeria. Sie sind unberührt von den fragwürdigen Hervorbringungen einer von 1968 beeindruckten Kaste von Kirchenfunktionären. Und es kommt nicht von ungefähr, dass etwa der Erzbischof von Colombo (Sri Lanka), Ranjit Patabendige, in Liturgiefragen zu den konservativsten Mitgliedern des Kardinalskollegiums zählt.

Im betonten Widerspruch zum Bundestagspräsidenten wünsche ich unserem großen Landsmann auf dem Stuhl Petri eine noch lange und glückliche Regierungszeit. Mit ihm setze ich bei der fälligen Neu-Evangelisierung unseres Weltteils auf die vitale Spiritualität der jüngeren Kirchen, also genau dort, wo Lammert die Herkunft eines künftigen Pontifex orten möchte.

Zum Kommentar „Lammert hofft auf einen neuen Papst“ (DT vom 14. Januar) von Markus Reder: Ich bin dem Bundestagspräsidenten sehr dankbar dafür, dass er sich offen zu seiner „protestantischen Veranlagung“ als Katholik bekennt und somit zur wahren Ursachenbenennung der Glaubenskrise innerhalb der katholischen Kirche beiträgt. Er befindet sich hierbei in Gesellschaft von vielen sich als katholisch bezeichnenden Politikern, Mitgliedern des ZdK, sowie untergeordneten Laiengremien, die allesamt einen erstaunlichen „missionarischen Eifer“ an den Tag legen und ihre Wirkung sogar bis in die Spitzen so mancher Bistumsleitungen entfalten.

Aus meiner persönlichen Bekanntschaft zu einigen so denkenden Menschen stelle ich immer wieder fest, dass die Ursache für ihre Orientierung häufig in der persönlichen Schwierigkeit besteht, mit dem Widerspruch zwischen den eigenen Lebensfehlern und dem, was wir in unserem tiefsten Gewissen als „heilig“ in der Kirche verspüren, fertigzuwerden. Da mag mangelnde Demut durchaus oft eine Rolle spielen. So ist dann auch in ihrem Glaubensleben eine wirkliche und befreiende Begegnung mit Christus, zum Beispiel in der eucharistischen Anbetung oder im Sakrament der Versöhnung, nicht möglich. Beides sind bekanntermaßen stark vernachlässigte Gnadenquellen nördlich der Alpen.

Um mit dem beschriebenen Widerspruch „leben“ zu können, wird also alles, was sich im Spiegel unseres katholischen Glaubens als Lebenslüge erweisen könnte, dadurch gerechtfertigt, dass das katholische Lehramt relativiert oder geleugnet wird. Dazu gehört dann natürlich auch die obligatorische Schelte auf den Papst, weil dieser durch sein authentisch geführtes Leben und seine spürbare Christusnähe immer wieder zum Stachel im Fleisch wird.

Zu „Lammert hofft auf neuen Papst“ (DT vom 14. Januar): Dem Herrn Bundestagspräsidenten und seinen Freunden kann man nicht oft genug sagen, dass in Deutschland Religionsfreiheit herrscht. Das bedeutet zweierlei: Jeder kann sich der Konfession anschließen, in der seine Forderungen schon erfüllt sind. Es bedeutet aber auch, dass diejenigen, die römisch-katholisch bleiben wollen, auch ein Recht auf ihre angestammte Kirche haben. Diesen Katholiken darf man ihre Kirche nicht wegreformieren. Sonst gibt es eine neue Kirchenspaltung.

Diesen Herren kann man nur raten: „Missbrauchen Sie Ihre politischen Ämter nicht, um unsere katholische Kirche zu protestantisieren oder der Welt anzupassen, nur damit die Welt Sie als ihresgleichen akzeptiert. Sonst müssten wir Sie abwählen. Glauben Sie nicht, wir wären nur eine zu vernachlässigende Größe. Vielleicht sind wir das Zünglein an der Waage. Jedenfalls riskieren Sie, bei uns mehr Stimmen zu verlieren, als Sie bei den Linken gewinnen können.“