Bischof Overbeck beklagt Polarisierungstendenzen: Klar und geeint katholisches Profil zeigen

Zum Artikel „Overbeck beklagt Polarisierungstendenzen“ (DT vom 15. Juni) möchte ich die Frage an unsere Exzellenzen zurückgeben. Übermäßige Polarisierung in der Kirche ist, wie anderswo auch, in erster Linie ein Führungsproblem. Die Polarisierung mag in der Natur der wandelbaren Zeit und eines entfesselten Zeitgeistes ihren Ursprung haben, umso wichtiger ist eine klare Führung, die Orientierung gibt, klare Positionen in der Einheit nach außen und innen vertritt und sich vor Abgrenzungen zum Relativismus nicht fürchtet. Gottesfurcht vor Menschenfurcht und Medienangst. Uneinigkeit in der Führung ist stets polarisierungsfördernd. Gilt das nicht auch für die Duldung spalterischer Aktivitäten innerhalb der Kirche? Lässt man die Diskussion nicht allzu oft laufen, um sich einer Positionierung diplomatisch zu entziehen? Muss man den einen wie den anderen nicht klarmachen, wo sie richtig oder falsch liegen und was als „Unentschieden“ oder Bandbreite klar zu akzeptieren ist? Fällt die Akzeptanz unloyalen Mitarbeiter-Verhaltens auf allen Ebenen nicht ebenfalls auf die Führung zurück?

Wenn dies alles schon so lange gedeiht, kann ein Beklagen seitens der Bischöfe nur der Anfang sein, liegt denn nicht alle Verantwortung vor Ort vor allem in ihren eigenen Händen? Ich fürchte, der tatsächliche Zustand der Kirche in Deutschland ist mit Zielen wie „postmoderne Spannungen auszuhalten“ oder „eine vorbildliche Streitkultur zu entwickeln“ und ähnliches deutlich verharmlosend dargestellt. Schismatische Tendenzen sind mit dem Wort „Polarisierung“ ebenfalls ganz nett beschönigt.

Mir scheint, Realismus in der Zustandsbeschreibung, eine neue Einheit und Klarheit im katholischen Profil, in jeglicher Kommunikation und im Handeln der Bischöfe wären in der heutigen Mediengesellschaft so wichtig wie nie. In dieser Hinsicht stehen viele Katholiken hinter ihren Bischöfen und könnten ihrem guten Beispiel folgen.