Bischof Ackermann fordert Änderung der katholischen Sexualmoral : Verkünden und vertiefen statt anpassen

Entscheidend ist doch allein, ob das, was die Kirche zum vorehelichen Zusammenleben, zur Homosexualität und überhaupt zu Ehe und Familie sagt und all die Jahrhunderte hindurch gesagt hat, „stimmt“, ob es unzweifelhaft auf dem Evangelium fußt und dem Menschern gemäß ist. Wenn ich die Ausführungen hierzu im Katechismus der katholischen Kirche und vor allem auch in der besonderen Ausdrucksweise des Youcat unvoreingenommen und ohne Blick auf die Realität lese, dann muss ich sagen, die Begründung überzeugt auch heute. Es ist keine Frage, dass das gegenwärtige Kirchenvolk weitgehend anderer Meinung ist und die allermeisten diese Lehre als nicht mehr lebbar ablehnen. Aber ist das ein Wahrheitskriterium?

Die Kirche vertritt hier ein ganz hohes Ziel, von dem sich die Realität über die letzten Jahrzehnte ganz weit entfernt hat. Aber in dieser Situation wäre es doch schon ein Gewinn, wenn das Ziel grundsätzlich noch überzeugt, es aber nur teilweise oder auch nur ansatzweise als erreichbar erscheint. Wenn aber die eigentlich zeitlos gültigen Argumente vom Zeitgeist als lebensfremd abgetan und für lächerlich erklärt werden, dann wäre es zu allererst – worauf Frau Einig in ihrem Kommentar in der „Tagespost“ vom 6. Februar zutreffend hinweist – Aufgabe der Pastoral, diese Argumente der Kirche klar, fundiert und ernsthaft darzulegen. Diese Aufgabe ist undankbar, erntet sicher viel Unverständnis, aber nicht nur. Angst vor Ablehnung oder gar Spott ist kein Charakteristikum eines Jüngers. Meine Frau und ich kommen in die verschiedensten Sonntagsgottesdienste, aber an detaillierte Ausführungen zur Lehre der Kirche in diesem Bereich können wir uns nicht erinnern. Ich bin mir sicher, dass sich viele Verkünder selbst nicht mehr mit dieser Lehre identifizieren und sich auch deshalb dieser zwar undankbaren, aber letztlich lohnenden Aufgabe nicht mehr stellen. Auch nach meiner Meinung darf die katholische Sexualmoral nicht auf Sündenkatalog und Strafregister (Kardinal Marx lt. Tagespost vom 13. Februar) reduziert werden. Es geht hier aber doch um das Bemühen, eine als richtig erkannte und immerhin im Weltkatechismus enthaltene Lehre in ihrer zeitlosen Werthaltigkeit und Grundlegung im Evangelium viel tiefer als bisher zu begründen. Wieweit abweichendes Verhalten dann Sünde ist und wie schwer eine solche wiegt, ist eine ganz andere Frage.

Ein Wort noch zur Homosexualität: Die Meinung von Bischof Ackermann, man könne sie nicht „einfach als widernatürlich“ bewerten (DT vom 8. Februar), verstört schon sehr. Es ist doch keine Frage, dass diese Art der Praktizierung von Sexualität mit deren naturgegebenen Ausrichtung auf die Weitergabe von Leben nichts zu tun hat. Meines Erachtens ist es jedoch richtig, dass man heute Homosexualität keineswegs immer als krankheitswertig einordnen kann. Dem widersprechen schon die regelmäßigen Berichte in den Printmedien, wonach etwa ein Ehepartner, nachdem in der Ehe Kinder geboren wurden, man sich aber auseinandergelebt hat und sich trennt, zur Freundin beziehungsweise Freund vom gleichen Geschlecht zieht und zusammenlebt. Der Weg zurück zur heterosexuellen Partnerschaft ist auch nicht selten. Nach meinen Erkenntnissen ist auch der Fall leider nicht selten, dass bei einem frühen vorehelichen Zusammenleben, wenn es – wie häufig – wieder zur Trennung kommt, bei dem verlassenen Teil das Urvertrauen massiv gestört und sein Verhältnis zum anderen Geschlecht von tiefer Enttäuschung geprägt ist, worauf er ehrliches Verständnis, Trost und Hilfe bei einer gleichgeschlechtlichen Person (Freundin/Freund) sucht und findet. Da es gesellschaftlich ohnehin kein Tabu mehr ist, folgt dann oft das Zusammenziehen.

Mein Fazit: Gegen die angegriffene Lehre der Kirche spricht nur die fehlende Akzeptanz, nicht aber die Wahrheit. Deshalb ist die Anpassung an den Zeitgeist nur der bequemere Weg. Leider versagen hier die Verkünder vielfach. Der Weg, die Lehre der Kirche verantwortungsvoll, fundiert und einfühlsam darzulegen ohne Scheu vor Ablehnung, ist steinig, aber notwendig. Voraussetzung freilich ist die Überzeugung und der Mut des Verkünders selbst. Die Gefolgschaft wird jedenfalls in der heutigen Zeit auch dann überschaubar bleiben.