Biblische Aussagen binden: Ehe kann nicht mit anderen Beziehungen gleichgestellt werden: Kein Verständnis mehr für die sakramentale Ehe

Die gesamte Diskussion zum Thema „Ehe und Familie“, die derzeit in der katholischen Kirche geführt wird, scheint mir daran zu kranken, dass wir selbst als Kirche vielfach nicht mehr von der sakramental gespendeten Ehe sprechen beziehungsweise dafür gar kein Verständnis mehr haben oder es kaum mehr wagen, darauf hinzuweisen. Gleichzeitig plädiere ich dafür, diese Diskussion in erster Linie auf der Basis der biblischen Aussagen zu führen, die auch das kirchliche Lehramt bindet.

Wenn die Ehe als Sakrament eine Stiftung Gottes ist, deren Unauflöslichkeit und Pflicht zur Treue zum Kern der christlichen Botschaft gehören („Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ – Mt 19,3), dann würde auch die Diskussion hierüber ganz anders geführt werden. Schließlich hat auch die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes Nr. 48 (GS), betont, dass der Ehebund etwas Heiliges sei, dessen Urheber Gott ist und auf dem die gesamte Gesellschaft ruht. Wenn man diese Aussagen ernst nimmt, ist es sicher erklärungsbedürftig, wenn es beispielsweise in der Erklärung des ZdK heißt: „Auch in anderen Formen des gemeinschaftlichen Lebens werden jene Werte gelebt, die die Ehe zum Bild für den Bund zwischen Gott und den Menschen hat werden lassen: das unverbrüchliche Ja zu der anderen Person, die stete Bereitschaft zur Versöhnung sowie die Aussicht auf eine fruchtbare Beziehung im Austausch der Gaben der Personen.“ Die Forderung nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wie auch neuer Partnerschaften von Geschiedenen trägt letztlich dazu bei, das Wesen der Ehe zu relativieren beziehungsweise sie mit solchen Verbindungen gleichzustellen.

Selbstverständlich bedeutet ein Festhalten am katholischen Eheverständnis nicht, dass man deswegen andere Lebensformen diskriminiert. Nur, sie mit der Ehe quasi auf eine Stufe zu stellen, ist meines Erachtens mit der christlichen Auffassung von Ehe nicht zu vereinbaren. Und ein Festhalten am christlichen Leitbild der Ehe heißt auch nicht, dass man die verurteilt, die hier ihre Schwierigkeiten haben oder es anders leben. Nein, ein Festhalten am Leitbild heißt, dass wir immer wieder versuchen müssen, uns danach auszurichten, um nicht in die Beliebigkeit zu verfallen. Auch die Zehn Gebote sind Leitbilder, die wir einhalten sollen. Wollen wir diese demnächst auch aufweichen, nur weil wir immer wieder dagegen verstoßen?

Im Übrigen hängt die Wahrheit des Glaubens nicht davon ab, ob bestimmte Aussagen als „unbarmherzig“ wahrgenommen werden oder ob sie noch von vielen Katholiken verstanden wird. Natürlich muss die Pastoral auf die Lebenswirklichkeit eingehen. Aber das bedeutet nicht, dass man sie auch noch gutheißen muss. Wollen wir künftig die Bibel nach eigenem Gutdünken interpretieren beziehungsweise unseren Glauben dem allgemeinen veränderten Weltbild anpassen? Schaffen wir die Unauflöslichkeit der Ehe ab, nur weil viele – aus welchen Gründen auch immer – damit ihre Schwierigkeiten haben? Schon Jesus wurde mit solchen Situationen konfrontiert. Denken wir nur an die „Brotrede“.

Bischof Stefan Oster hat zu Recht auf seiner Facebook-Seite darauf hingewiesen, dass der Anspruch des Glaubens verdünnt und reduziert werde auf ein nunmehr gedachtes Gesetz, und von hier sei der nächste Schritt nur ein ganz kleiner, der dann sage: „Das gedachte Gesetz hat sich die Kirche ausgedacht, um uns zu knechten. Und jetzt, wo sich die Zeiten ändern, muss sie das Gesetz auch ändern! … Gutes Leben ist jetzt, was alle gut finden; die Gesellschaft als Messlatte für einen hoffentlich nicht allzu anspruchsvollen Humanismus. Und nur die Kirche ist dann schlecht und von gestern, weil sie uns unser gutes, heutiges Leben nicht gönnt!“ Mir scheinen diese Aussagen sehr nachdenkenswert zu sein.

Die polnischen Bischöfe haben darauf hingewiesen, dass es bei der kommenden Bischofssynode „um die Entdeckung der Ehe im Licht von Gottes Offenbarung geht, und nicht darum, die Stimme der Welt zu hören, um das Evangelium und die Lehre der Kirche an die kulturellen Haltungen, die sich ändern, anzupassen“. Dem kann ich nur zustimmen.