Beschützt

„Hast du keine Angst, abends alleine im Dunkeln nach Hause zu fahren?“, fragen mich die Leute und ich antworte schulterzuckend: „Nein, da sind so viele Leute unterwegs, die passen alle auf mich auf.“ Dann stehe ich mit meinem Rollstuhl an der Bushaltestelle. Heute hat die Pfarrgemeinderatssitzung lange gedauert. Es ist schon nach 21:30 Uhr, stockdunkel und bitterkalt. Ich schaue mich um. „Na ja, so viele Menschen sind da auch wieder nicht, die auf mich aufpassen. Genau genommen sehe ich gerade keinen Menschen auf der Straße…“ Ein paar Minuten vergehen. Plötzlich kommt ein Auto um die Kurve, bremst und bleibt vor mir stehen. Ein junger Mann lehnt sich aus dem Fenster und fragt mich, ob alles in Ordnung ist mit mir. Ich lächle: „Ja, danke, ich warte nur auf den Bus.“ Kaum ist er weg, kommt ein Auto von der anderen Seite. Ein junger Bursche mit ausländischem Akzent und einer coolen Skater-Mütze bleibt stehen und erkundigt sich nach meinem Befinden. Wieder die gleiche Antwort. In mir triumphiert es: „Und sie passen doch alle auf mich auf!“ Als ich dann eine dreiviertel Stunde später vor meiner Haustür stehe und mich mit dem Schlüssel plage, wundert es mich schon gar nicht mehr, dass ein älterer Mann um die Ecke biegt und mir seine Hilfe anbietet. Danke Gott, dass du mir auch in dunkelster Nacht die Sicherheit gibst, dass du da bist und auf mich aufpasst.

Die Autorin, 28, ist Pastoralassistentin in der Pfarrei Graz-Christkönig