Bernd Posselt über die CSU und Europa: Nicht skeptisch, sondern enttäuscht

Bernd Posselts Statement ist ein ausgezeichnetes Resümee über die Europapolitik der CSU („Wie viel Europa soll's denn sein?“, DT vom 18. Juli). Dem Alltagseuropäer eröffnet es interessante Einblicke, wie die Konservativen um ein „europäisches Bayern“ gekämpft haben und noch kämpfen müssen.

Trotzdem hätte man vom Präsidenten der Paneuropa-Union erwarten können, dass er das Scheitern des Gottesbezuges und das Fehlen eines Hinweises auf das christliche Fundament Europas im neuen Verfassungsentwurf nochmals aufgreift und Perspektiven der Änderung entwirft. Viele konservative Wähler sind gar nicht europaskeptisch, sondern enttäuscht, weil die Europäische Volkspartei einfach zu wenig tut, um Gesetze, die dem christlichen Menschenbild widersprechen, aufzuhalten. Ein lockerer Bezug, die Kirchen in den geistigen Prozess Europas zu involvieren, garantiert fast null, wenn es zum Beispiel um den Lebensschutz geht. Die Formel „für ein starkes Europa“, mit welcher die CDU und die CSU in die Wahlkämpfe zieht, sagt nichts Griffiges aus. Schließlich wollen auch die Liberalen, Sozialisten und Öko-Stalinisten ein starkes Europa, allerdings ein rigoros laizistisches und radikal biologistisches, begründet auf einer kirchenfeindlichen Ethik.

In Sachen Bioethik taktieren die Liberalen und die linken Strategen weitaus raffinierter als die Konservativen. Ein Martin Schulz und ein Cohn-Bendit haben kein Interesse an Gesetzen, die ihre Orientierung aus den Zehn Geboten entnehmen. Wollen wir Christen aber in einem Europa leben, dessen Verfassung von Atheisten und Agnostikern konzipiert wurde? Auf diese Art und Weise kann kein Europa für die Zukunft aufgebaut werden. Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie viel Europa“ es sein soll – sondern „Was für ein Europa“ erwartet unsere Kinder und Enkel!?