Aus den Zeitschriften: Zu den Wurzeln des Traditionalismus-Begriffs Lefebvres: Was heute vielfach bestritten wird

„Die Tagespost“ bringt dankenswerterweise einen ausführlichen Bericht über den Artikel des Bonner Dogmatikers Karl-Heinz Menke zum Traditionalismus-Begriff von Erzbischof Lefebvre (DT vom 1. August). Festzuhalten ist jedoch, dass der Vorwurf eines abstrakten Traditionsverständnisses in diesem Falle auf Professor Menke zurückfällt. Natürlich kann man sagen, dass „Schrift und Tradition im Unterschied zu Christus nicht die Wahrheit sind, sondern diese nur bezeugen“, weil Er allein die personal erschienene Wahrheit ist. Aber genau das wird ja heute vielfach von der Theologie und hier besonders von der historisch-kritischen Exegese bestritten, die insofern einen Jesuanismus, ja Arianismus vertritt, für den folgerichtig dann die Rede von Christus als der Wahrheit selber völlig sinnlos geworden ist. Hier müsste eine wirklich konkrete Analyse des heutigen, in der Kirche gegebenen Traditionsverständnisses einsetzen.

Wer der Meinung ist, ich übertreibe, braucht nur die umfangreichen Stellungnahmen des Präsidenten des Päpstlichen Komitees für die Historischen Wissenschaften Prälat Walter Brandmüller und des Exegeten Professor Klaus Berger in der DT vom 30. Mai dieses Jahres nachzulesen, um zu sehen, wie weit verbreitet schon die Bestreitung der Präexistenz Christi als des ewigen Wortes Gottes und seine Umdeutung zum bloßen, wenn auch von Gott besonders bevorzugten Menschen verbreitet ist, die mit der ebenso weit verbreiteten Leugnung der Jungfrauengeburt Hand in Hand geht. Oder er kann in meiner Arbeit: „Theologische Blütenlese. Werke der anderen Theologie“ (Respondeo 12, Siegburg 2001) genügend, genau belegte Beispiele für diesen Arianismus in der zeitgenössischen Theologie finden, der so weit geht, dass man immer wieder behauptet, Jesus habe mit seinem Tode keine besondere Absicht verbunden.

Berücksichtigt man diese ebenso konkrete wie erschreckende Glaubenswirklichkeit von heute nicht, wie das indessen Erzbischof Lefebvre offensichtlich getan hat, dann bleibt die Auseinandersetzung um das rechte Traditionsverständnis ein Streit um leere Begriffe.