Ansprache von Papst Franziskus während der Generalaudienz – Behutsam bestimmte Kurseinstellung zur Familiensynode?: Danke, für den Blickwinkel der „Kleinen“!

Zum Artikel „Jeder tue seinen Teil“ (DT vom 8. August), Mittwochskatechese von Papst Franziskus vom 5. August 2015: Mit der Perspektive der Hauptbetroffenen, nämlich der Kinder, beim Scheitern einer Ehe – und auch bei den Wiederverheirateten – lenkt der Heilige Vater den Diskussionsstrom in eine Richtung, die bisher nicht genügend beachtet wurde. Vergleiche auch meine Buchrezension vom 28. Januar über den Sammelband von circa 30 Autoren, die für das Institut Walter Kasper, Theologische Hochschule Vallendar, schrieben – die meisten pro Kasper, ganz wenige contra – und die den deutschen theologischen Grundwasserspiegel in dieser Frage darstellen wollten. Nur ein einziger Autor widmet sich darin den Kindertragödien bei der Ehescheidung: Der Moraltheologe Savio Vaz sieht sie als die modernen Sündenböcke im Streit der Eltern, natürlich mit den verheerenden Folgen für die nächste Generation.

Nun haben diese armen Sündenböcke einen Anwalt bekommen: Papst Franziskus. „Mit den Augen der Kleinen“ (die scharfe Rede von Jesus mit dem Mühlstein am Hals für die Erreger von Ärgernis für diese kam mir sofort beklemmend in den Sinn) skizziert Papst Franziskus die Möglichkeiten der Integration der wiederverheirateten Geschiedenen in den Pfarrgemeinden. Er zitiert und paraphrasiert dabei seine Vorgänger Benedikt und – den in Deutschland sorgsam gemiedenen – Johannes Paul II. und bekräftigt deren Worte mit einem eindringlichen Appell: Gebet, Teilnahme an der Liturgie, christliche Erziehung der Kinder, caritativer Dienst und Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. Und das nicht als neue zusätzliche Bürde für die Betroffenen, sondern als gemeinsames Tun in den Seelsorgeeinheiten.

Tatsächlich eine verbindende Aufgabe und Chance für alle beim Zusammenlegen von Pfarrgemeinden statt eines Jammerns auf hohem Niveau. Danke, Heiliger Vater, für den Blickwinkel der „Kleinen“!