Angesicht der Erde erneuern

Ein Souvenir aus Chartres
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Vielleicht bin ich zur falschen Zeit am falschen Ort. Wenn ich die Berichte vom Weltjugendtag lese, dann kommt schon ein bisschen Wehmut auf, dass ich gerade gut 900 Kilometer von Krakau entfernt mehr oder weniger alleine zuhause sitze. Das offizielle Weltjugendtagsgebet ist eine gute Bewältigungsstrategie. Zum einen kann ich es beten, egal, wo ich bin und so trotzdem mit all den jungen Christen in Krakau und auf der ganzen Welt verbunden sein. Zum anderen zeigt es auch sehr schön, was der Weltjugendtag bewirken möchte. „Gott, barmherziger Vater (…) Dir vertrauen wir besonders die jungen Menschen aller Sprachen, Völker und Nationen an.“ Eine Bitte, die gerade durch die letzten Ereignisse in Europa eine ganz besondere Bedeutung gewonnen hat. 17, 18 und 19 Jahre waren die Täter in Würzburg, München und Frankreich. „Mache uns zu Zeugen deiner Barmherzigkeit“: Wir sollen fähig werden, Glauben, Hoffnung und Liebe zu bringen, Vergebung und Freude zu schenken. Und schließlich die Bitte: „Lass den Funken barmherziger Liebe, den du in uns entzündet hast, zu einem Feuer werden, das die Herzen verwandelt und das Angesicht der Erde erneuert.“ Ich bin mir sicher, dass dieses Feuer in Krakau in diesen Tagen besonders hell und lebendig brennt. Und wenn jeder dann mit einem brennenden Herzen nach Hause zurückkehrt, kann unsere Welt tatsächlich verändert werden und ganz neu aussehen. Für die Zurückgebliebenen wie mich bleibt die Hoffnung, auch etwas Feuer zu fangen und die Aufgabe, an meinem Platz das Angesicht der Erde zu erneuern.

Die Autorin studiert Pädagogik in Würzburg