„Amoris laetitia“ und die Kritik an Papst Franziskus: Konstruktive Kritik: Freude an der Liebe

Vier Kardinäle haben die Form des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ öffentlich beanstandet. Dass es schon in der Urkirche Ähnliches gab, wurde meines Wissens nirgendwo erwähnt. Der Apostel Petrus, der erste Papst der Geschichte, von Jesus eingesetzt, wurde von seinem Mitapostel Paulus hart kritisiert: „Als dann Kephas (Petrus) nach Antiochien kam, trat ich ihm Auge in Auge entgegen, weil er im Unrecht war...“ (Gal 2,11ff)

Der Papst ist unfehlbar unter bestimmten Bedingungen. Sind diese nicht gegeben, ist er fehlbar wie jeder andere Mensch. So jedenfalls hat es das 1. Vatikanische Konzil 1870 klipp und klar definiert. Kardinäle dürfen und sollen die Worte und Taten eines Papstes unter die Lupe nehmen. Ihr Mut beruht auf der Liebe zu Christus, der möchte, dass die von ihm gegründete Kirche, die „Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15) makellos bleibt im Lehramt. Paulus wusste das, und handelte demnach. Offenbar hat Petrus seinem Mitapostel Paulus seine Kritik nicht übel genommen, vielleicht hat er ihm sogar dafür gedankt.

Die Diskussion wird so schnell nicht aufhören. Denn hier geht es nicht nur um Barmherzigkeit im landläufig verstandenen Sinn. Sondern es geht bei der Unauflöslichkeit der Ehe gerade um den Schutz derer, die barmherzig sein sollen und wollen: Die Ehepaare. Sie überwinden Krisen und vergeben einander, um den Kindern das zu schenken und zu „garantieren“, was diese dringend für ihre Entwicklung brauchen: Sicherheit im Vertrauen auf die Eltern. Nur so lernen sie, zu vertrauen und weniger zu misstrauen. Nirgendwo in Amoris laetitia werden die Tugenden, die für die Familie grundlegend sind, in Frage gestellt. Im Gegenteil. Aus jeder Perspektive werden sie hochgehalten und empfohlen: Nur so entsteht die Freude an der Liebe. Das können nur die erleben, die einander treu bleiben. Weil ihnen die Treue geschenkt wurde – wohl oft durch das Gebet anderer Menschen. Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit sind unverzichtbar für die Freude an der Liebe. Das weiß doch wirklich jeder. Wozu also die eine Tugend gegen die andere ausspielen?