Akademie-Tagung über Kirche und radikale Medien : Knieweiches Glaubensverständnis

Bei der Tagung in der Katholischen Akademie „Wolfsburg“ in Mülheim a.d. Ruhr mit dem Thema politisch-religiöser Extremismus erweckten die beiden Referenten den Eindruck, als gebe es diese Gefahr vor allem von christlicher Seite (DT vom 8. Juli). Tatsächlich handelt es sich bei diesbezüglichen verbalen Ausfällen um eine kleine engstirnige Minderheit, die dazu noch entscheidende christliche Grundsätze missachtet; die wirklichen Gefahren in unserer Welt gehen von ganz anderen Extremisten aus, die ihren Hass in handfeste Aggressionen umsetzen. Die Nachrichten sind voll davon. Auch hinter der Anschuldigung „homophob“ stehen oft genug Personen, die in ihrem Hass vor Diffamierung und Gewalt nicht zurückschrecken. So wäre der „Marsch für das Leben“ in Berlin ohne massiven Polizeischutz nicht möglich gewesen.

Enttäuschend war allerdings der Diskussionsbeitrag des Generalvikars von Essen. Er meint, in der Religion gibt es keine Sicherheit. In dieser allgemeinen Formulierung ist ihm sogar zuzustimmen, aber als Christen stehen wir auf einem anderen Grund, wenn wir den Glauben leben, und ihn nicht von unseren eigenen Gedanken und unserem persönlichen Verständnis abhängig machen. Weiter sagt er: Was gefordert sei, ist die Auseinandersetzung um Positionen des Glaubens, nicht die Harmonie in der Kirche. Leider scheint diese Auffassung verbreitet. Deshalb brauchen wir uns nicht wundern, wenn von der Kirche unseres Landes so wenig Überzeugungskraft ausgeht.

Der Apostel Paulus schreibt in 1 Thess 1,8: „Wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern mit Macht, mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit.“ Ja, das ganze Leben des heiligen Paulus und das Leben von vielen Heiligen sind eine einzige Widerlegung eines knieweichen Glaubensverständnisses. Was sein Kirchenbild angeht, nimmt vor allem das vierte Kapitel des Epheserbriefes die genaue Gegenposition ein (vor allem Eph 4,1–24).

Wo in unseren Gottesdiensten steht noch deutlich erfahrbar das Hauptziel im Vordergrund, das der heilige Paulus so formuliert: „So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen“ (Eph 4,13). Das wäre der Weg zur echten Mündigkeit (Eph 4,14). In diese Richtung weist auch Kol 2,2–3: „Sie sollen in Liebe zusammenhalten, um die tiefe und reiche Einsicht zu erlangen, um das göttliche Geheimnis zu erkennen, das Christus ist.“ Das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus ist von diesem Anliegen durchdrungen.