200 Kilometer für das Leben

Unter dem Motto „Wie weit würdest du gehen, um ein Menschenleben zu retten?“ veranstaltet der von der österreichischen Bischofskonferenz anerkannte Verein Jugend für das Leben (JfdL) jeden Sommer einen Demonstrationsmarsch für das ungeborene Leben durch Österreich. Eine unterstützenswerte Sache denke ich mir und so fahre ich mit dem Zug nach Graz zum Startpunkt der diesjährigen „Pro-Life-Tour“. Mein Ziel: Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der JfdL in ihrem Anliegen zu unterstützen. Das Ziel des Marsches ist übrigens Wien und wird über eine rund 200 Kilometer lange Route per Pedes anvisiert. Zwei Wochen haben die Teilnehmer dafür Zeit, die die ganzen zwei Wochen mit von der Partie sind. Übernachtet wird dabei im Kindergarten, in der katholischen Hochschulgemeinde oder auch einmal im Festzelt der freiwilligen Feuerwehr. Dort wo eben ausreichend Platz für alle ist. Das Programm ist dicht gedrängt: Von Morgens bis Abends wird gewandert, unterwegs werden Flyer verteilt oder Banner entrollt, um auf das Anliegen der Tour aufmerksam zu machen. Am Abend folgen dann in der Regel noch Informationsveranstaltungen vor Ort. Da ist es dann praktisch, wenn das Gepäck von Helfern in Begleitautos transportiert wird und weitere Freiwillige die Küche übernehmen. Unterstützung gibt es auch aus der Bevölkerung. In einem Übernachtungsort sponsert eine Gastgeberin das Frühstück für alle und stellt ihr Badezimmer inklusive Handtücher zur Verfügung.

Auch die Bischöfe stehen der Sache positiv gegenüber: Weihbischof Laun übernimmt den Eröffnungsgottesdienst in Graz. Bischof Küng zelebriert die Sonntagsmesse in der Mitte der Tour und Weihbischof Scharl wird am Ende in Wien mit dabei sein. In einer Videobotschaft sprach Kardinal Schönborn der Jugend für das Leben seinen Dank aus.

Breite Unterstützung für ein ernstes Anliegen. Offizielle Abtreibungsstatistiken gibt es in Österreich nicht. Wenn aber die Schätzung des Abtreibungsarztes Christian Fiala von jährlich circa 30 000 Abtreibungen stimmt, dann bedeutet das bei rund 84 000 Geburten, dass jedes 4. Kind abgetrieben wird. Bei Kindern mit Downsyndrom verhält sich die Sache noch einmal gravierender. 94 Prozent der Kinder mit der Diagnose Trisomie 21 werden laut dem Vorsitzenden der JfdL Thomas Brüderl abgetrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass die JfdL die eugenische Indikation, die in Österreich auch de jure die Abtreibung bis zur Geburt unter Straflosigkeit stellt, zum Hauptthema der diesjährigen Tour gemacht hat. Ein Erfolg ist ihnen zu wünschen. Apropos Erfolg: Wenn alles klappt, wird die nächste Pro-Life-Tour ein länderübergreifendes Projekt von Österreich und Deutschland.

Der Autor, 30, arbeitet als Softwareentwickler und engagiert sich für die Katholische Pfadfinderschaft Europa in Nürnberg

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