Dem Papst geht es gut

Aber der vatikanischen Verwaltung könnte es besser gehen. Vertrauliche Dokumente tauchen in den Medien auf. Jemand in den Heiligen Hallen, der nicht loyal zur Kirchenführung steht, scheint Schlamm aufwirbeln zu wollen

Der Schweizer Gardist in Zivil ist die Ruhe selbst. Keine Spur von aufgeregter Nervosität. Vorbei geht es an Räumfahrzeugen, die diesmal auch innerhalb des Vatikans Schneemassen zur Seite schieben mussten. Aber die Sonne lacht schon wieder und besorgt den Rest. Was wird eigentlich passieren, wenn überall in Italien der Schnee der letzten Tage schmilzt? - Mit dem Aufzug geht es hoch in den Apostolischen Palast. Wieder einmal ist für klare Sicht zu sorgen: Wie Nebelschwaden und starker Schneefall zugleich haben die irrwitzigsten Gerüchte und Nachrichten die Runde gemacht. Papst Benedikt habe noch zwölf Monate zu leben, meldeten selbst einige deutsche Medien. Mit letzter Kraft bemühe er sich, als Nachfolger den Kardinal von Mailand, Angelo Scola, auf den Papstthron zu heben. (Hoppla, was hätte denn dann noch ein Konklave zu tun?) Im Vatikan herrsche Chaos und Anarchie. Das vatikanische Bankinstitut mache dunkle Geschäfte wie eh und je und ein völlig verzweifelter Kardinalstaatssekretär wisse nicht mehr, wie er den Sauladen in den Griff bekommen kann. Jeden Tag verlassen neue vertrauliche Dokumente die Heiligen Hallen und sorgen für Schlagzeilen in den Zeitungen. Nicht nur italienische, aber dort vor allem. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Kardinalserhebungen in einer Woche zusätzliche Aufmerksamkeit auf Rom ziehen werden.
Hier also das Ergebnis meiner Recherche und die gute Nachricht zuerst: Dem Papst geht es gut, von ernst zu nehmenden Erkrankungen - geschweige den Krebs - keine Spur. Aber der guten Nachricht muss auch gleich die schlechte folgen: Es gibt tatsächlich Löcher in der vatikanischen Verwaltung, und vor allem in der "Zentralbehörde", dem Staatssekretariat. Nicht jeder der Prälaten, die in der etwa 150 Mitarbeiter umfassenden ersten Sektion des Staatssekretariats arbeiten - welche für die "inneren Angelegenheiten" zuständig ist -, steht treu und loyal zum Papst. Und: Es gibt nicht einen Fall, eine Indiskretion, ein Informationsleck, sondern gleich drei Fälle, drei Indiskretionen, die sich in den vergangenen Wochen verquickt haben, die jedoch auseinanderzuhalten sind. Am Dienstag wird in der "Tagespost" ein Artikel dazu von mir erscheinen, wo ich die drei Fäden wieder aufdröseln will. Aber was war die Folge der ganzen Rumphantasiererei? In den Vereinigten Staaten ist der Prozess zum "Fall Murphy" jetzt mit einem klaren Sieg für den Vatikan ausgegangen. Wer erinnert sich noch? Der Missbrauchspriester Murphy war für führende amerikanische Zeitung Anfang 2010 ein Anlass, den Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger, seinen Sekretär Tarcisio Bertone und den ehemaligen Staatssekretär Sodano persönlich in den Missbrauchsskandal hineinzuziehen, ja ihnen sogar den Prozess zu machen. Der Quatsch ist nun endgültig vom Tisch. Wer in Italien oder im Ausland hat das gemeldet? Fast niemand. Stattdessen dreht sich alles um die vermeintlichen Ränkespiele im Vatikan. Ein Jammer!
Tanti saluti - und bis bald!