Nicht beim Klagen stehen bleiben

Grußwort von Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz
Nicht beim Klagen stehen bleiben

Glückwunsch zum 70. Geburtstag!

Aufgewachsen im pietistischen geprägten Württemberg zwischen Altpietistischer Gemeinschaft (heute „Die Apis“) und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, geistlich beheimatet in einer Stuttgarter lebendigen landeskirchlichen Gemeinde, war die Katholische Kirche ein unbekannter Verwandter. Klar hatte ich in der Schulzeit auch katholische Freunde, aber nicht wirklich intensive geistliche Begegnungen. Das waren eben die Anderen, ohne wirkliche Verbindung, ohne wirkliche Gemeinsamkeit, aber auch ohne Feindschaft und Feindseligkeit. Ihr dort, wir hier! Aber seit knapp 50 Jahren schaue ich auch über den Tellerrand der örtlichen Kirchengemeinde hinaus, in die Landeskirche, in die EKD, in die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Und je länger je mehr wurde mir klar, dass neben dem Gebet des Jesus Christus um die Einheit seiner Leute auch die großen Herausforderungen unserer Zeit Christen zur Gemeinsamkeit nötigen. Dabei ist es mit mehr oder weniger scharfen Situationsanalysen und Klagen über den Zustand der Gesellschaft und der Kirchen und Christenheit nicht getan; auch nicht mit der kritischen Haltung gegenüber dem, was uns von Journalisten, der Presse, Rundfunk und Fernsehen als Analyse und Meinung vorgelegt wird. Es braucht eigene Aktivität. Alternativen müssen aufgezeigt werden. Das haben wir in der sogenannten „evangelikalen Welt“ gelernt und geübt. Schon 1859 wurde als Alternative der „Evangelischen Kirchenzeitung“ die „Neue Evangelische Kirchenzeitung“ als Wochenzeitung herausgegeben. Heute haben wir u. a. ERF Medien, idea, pro, Jesus.de. Und ich nehme nun seit Jahrzehnten mit Staunen zur Kenntnis, dass sich auch in der „katholischen Welt“ solche Alternativen aufgezeigt haben. Um mancher Einseitigkeiten zu wehren, um zu verhindern, dass manches auch durch die Mainstream-Medien unter dem Tisch gehalten wird, braucht es den auch von Kirchen unabhängigen Journalismus.

So findet man in der Tagespost Analysen und Nachrichten, die andernorts keine oder zu wenig Aufmerksamkeit finden, aber doch so wichtig sind. So findet man in der Tagespost von christlichen und biblischen Grundwerten getragene Kommentierungen, die auch dem Mainstream der Meinungen in Kirche und Gesellschaft gegenhalten. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Zum 70. Geburtstag herzliche Glückwünsche und Segenswünsche. Wenn es die Tagespost noch nicht gebe, sie sollte morgen gegründet werden als unverzichtbares Medium in einer vielfach desorientierten Welt, die mitunter meint, auf die Orientierung aus Gottes Wort und Gottes Sicht verzichten zu sollen und zu können. Bleiben Sie mutig und unerschütterlich, auch wenn die Mehrheit scheinbar, anscheinend oder tatsächlich anders tickt. Mehrheit ist kein Ausweis für Wahrheit. Aber der Wahrheit muss Gehör verschafft werden, auch, damit sich Mehrheiten ändern können. In diesem Sinne wünsche ich allen Verantwortlichen und Mitarbeitern der Tagespost weitere Jahrzehnte segensreichen Wirkens.

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