Mut haben, Neues zu wagen

Der Pallottinerbruder Bert Meyer hat in den vergangenen zwölf Jahren Schreiner in Kamerun ausgebildet

Am Anfang standen Angst und Neugier, am Ende Freude und Unsicherheit. Die Empfindungen, die Pallottinerbruder Bert Meyer während seines zwölfjährigen Kamerun-Aufenthaltes begleiteten, können gegensätzlicher nicht sein. Gefühle, die ihm das Leben in dem zentralafrikanischen Land nicht immer leicht gemacht haben. Doch Bert Meyer lief nicht weg, er stellte sich ihnen. Denn eines war für den 38-jährigen Pallottinerbruder aus Nordhorn, der sich gerade in einem Sabbatjahr auf neue Aufgaben vorbereitet, auch in schwierigen Phasen immer klar: Die negativen Erfahrungen gehören wie die positiven zum Leben dazu.

Als Bruder Bert am Ende seines Noviziats 1991 von seinem damaligen Provinzial gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, nach Kamerun zu gehen, ahnte er nicht wirklich, was ihn dort erwartete. Herausgerissen werden aus den alltäglichen Abläufen in Deutschland, hineingestellt sein in eine fremde Kultur und Lebensweise. Doch ganz so unvorbereitet kam für ihn die Abreise im Oktober 1996 dann doch nicht.

Nach seiner Schreinerausbildung bei Bruder Karl Gerding im Lehrlingsheim der Pallottiner in Limburg und dem zweijährigen Noviziat in Untermerzbach durfte er sich in anderen handwerklichen Bereichen weiterqualifizieren. Die Mitbrüder Karl-Heinz Schmidt und Hubert Kamphaus nahmen ihn in der Elektrowerkstatt und der Schlosserei unter ihre Fittiche. Zwei Jahre in der Schreinerei Pfahl in Rheinbach und ein fünfmonatiger Französisch-Sprachkurs in Paris rundeten das intensive Vorbereitungsprogramm ab. Fünf Tage nach seiner Ewigen Profess am 20. Oktober 1996 saß Bruder Bert im Flugzeug nach Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun.

Die ersten Schritte in der großen, unübersichtlichen Stadt fielen nicht nur wegen der ungewohnten Hitze schwer. Langsam tastete er sich an die neue Umgebung und seine Aufgaben heran. „Ich musste mich erst an das Leben gewöhnen, das hier mit dem Sonnenaufgang beginnt und mit dem Sonnenuntergang endet“, lässt Bruder Bert die ersten Wochen in Äquatornähe Revue passieren. Doch dann nahm seine handwerkliche Mission langsam Fahrt auf. Bevor er in Yaoundé für einige Monate in einer Schreinerei mitarbeitete, nahm er an einem Misereor-Hausbauprojekt in Bafia teil – rund zwei Fahrstunden von der Hauptstadt entfernt. Dort lernte, er aus lokalen Materialien wie Lehm, Holz, Stroh und Sand Häuser zu bauen. Ein Wissen, das sich für die nun folgende Zeit als unentbehrlich erwies.

Mitte des nächsten Jahres türmte sich dann sein erstes großes Projekt vor ihm auf. Von seinen Oberen wurde er in die kleine Missionsstation Elat-Minkom versetzt, wo er die ersten vier Jahre mit seinem Mitbruder aus Deutschland, Pater Franz Schink, zusammenlebte. Vierzig Kilometer nordöstlich von Yaoundé begann Bruder Bert nun mit dem Aufbau einer Schreinerei samt angeschlossener Lehrwerkstatt. Junge Menschen auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten und ihnen die Chance auf eine lebenswerte Zukunft zu geben, waren seine Ziele. Mit vielen „kleinen, aber nachhaltigen“ Schritten ist es ihm und seinen Mitbrüdern in Kamerun gelungen, eine umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis auf die Beine zu stellen – vor allem auch Dank der vielen Spenden aus Deutschland. Zwar wartet sein Mitbruder Laurent Messi Ebi, an den Bruder Bert bereits 2006 die Leitung der Schreinerei übergeben hat, noch immer auf die staatliche Anerkennung. Doch verzweifeln lässt den Nordhorner Pallottinerbruder diese Situation nicht. Für ihn zählt das konkrete Schicksal der Lehrlinge mehr als auf Papier gedruckte Diplomzeugnisse.

Denn Bruder Bert wollte nicht allein Arbeitsplätze schaffen. Sein Ziel war es auch, junge Frauen und Männer durch ihr handwerkliches Können zu einem „ehrlichen Leben“ zu befähigen. In Kamerun müsse man lernen, mehr füreinander zu sorgen und sich mit aller Kraft gegen das Hauptübel im Land zur Wehr zu setzen. „Gerechtigkeit statt Korruption“ predigte Bruder Bert nicht nur seinen Lehrlingen – und dies sowohl mit Worten, als auch mit Taten. „Ich wollte niemandem meinen Glauben aufzwingen, sondern habe mich stets mit meiner Arbeit für die Menschen eingesetzt“, sagt Bert zurückblickend. Jesu Reden und Handeln waren ihm dabei Richtschnur, sein persönlicher Glaube an Gott sein Fels in der Brandung. Beides – das Beispiel Jesu und seinen Glauben – wollte er an die Menschen weitergeben.

Der Ruf der kleinen Schreinerei auf dem Land verbreitete sich rasch. Neben Kunden in der Kameruner Mittel- und Oberschicht, den verschiedenen Entwicklungshilfeorganisationen (DED, GTZ) ist auch die Deutsche Botschaft in Yaoundé längst auf Bruder Berts Wirken aufmerksam geworden. Was für ihn 1999 mit dem Aufbau des Postulatshauses der Pallottiner in Yaoundés Stadtteil Nkolbisson begann, endete im letzten Jahr mit der Renovierung der alten Pallottiner-Kirche in Kribi. Dieses Projekt, das der Pallottinerbruder leitete und für das die Schreinerei die Fenster lieferte, wurde durch die Botschaft finanziert. Bruder Berts guten Beziehungen zu seriösen Partnern ist es zu verdanken, dass das Fundament für eine sichere Zukunft der Lehrwerkstatt steht. Selbstverständlich werde er auch weiterhin kräftig um finanzielle Unterstützung für dieses Projekt werben – ob bei seinen Dia-Vorträgen oder im persönlichen Gespräch – ,daran lässt er keinen Zweifel. Und der Ehrgeiz, neue Maschinen und Werkzeuge – „und die können ruhig gebraucht sein“ – für die Schreinerei zu erwerben, lässt Bruder Bert zu Hochform auflaufen.

Denn seine Mitbrüder in Kamerun seien im vergangenen Jahr von der Mutterprovinz zwar in eine größere Eigenständigkeit entlassen worden, die Projekte und Niederlassungen benötigten aber nach wie vor die materielle und ideelle Hilfe aus Deutschland und Österreich, so Bruder Bert. Das Vertrauen, dass die junge Gemeinschaft auf einem guten Weg ist, hat der Pallottinerbruder. Wie sein persönlicher Lebensweg nach seinem Sabbatjahr weitergeht, kann er jetzt noch nicht genau sagen. Aber bei einer Sache ist sich Bruder Bert trotz aller Unsicherheit gewiss: „Ich hatte damals den Mut, etwas Neues zu wagen, deshalb werde ich mich auch dem nächsten Neubeginn stellen.“

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