Nicht Bildung, sondern Ideologisierung

Gute Muslime und böse Islamfeinde: Der Journalist Constantin Schreiber hat islamische Schulbücher untersucht.

Schule in Afghanistan
Schulunterricht in Afghanistan – Ein Teil der problematischen Schulbücher wird von Deutschland mitfinanziert. Foto: dpa

Mit „Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“, legte der Fernsehjournalist Constantin Schreiber vor zwei Jahren eine beunruhigende Beschreibung vor. Er zeigte, was sich weitgehend unbemerkt von einer des Arabischen nicht mächtigen Bevölkerung in den hiesigen Moscheen abspielt. Sein Fazit: Die Predigten der Imame in Deutschland sind wenig vereinbar mit dem hier geltenden Grundgesetz und mit den Sitten der nicht-muslimisch sozialisierten Deutschen.

In seinem neuen Buch nun geht Schreiber, der viele Jahre lang im Nahen Osten lebte und arbeitete, der Frage nach, wie es sich mit den Schulbüchern in muslimischen Staaten verhält. In der Einführung gibt er Auskunft über seine Vorgehensweise: Er hat eine breite Auswahl von Schulbüchern aus acht verschiedenen Ländern zusammengetragen – und schließlich Lehrwerke aus fünf Ländern zur Analyse ausgewählt: aus Afghanistan, Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei. Die arabischen Bücher konnte er dank seiner Sprachkenntnisse selbst begutachten, für die anderen nahm er die Hilfe von Muttersprachlern in Anspruch. Da er kein Pädagoge ist, befragte er zudem Experten, unter anderen die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Erziehungswissenschaftlerin und Professorin an der Universität Marburg, Susanne Lin-Klitzing über ihre Einschätzung der Unterrichtsinhalte, wie sie in den Büchern präsentiert werden.

Entstanden ist eine interessante und auch äußerst anspruchsvolle Darstellung der Schulbuchtexte, in denen es natürlich viel um den Islam geht. Schreiber hat sich nicht darauf beschränkt, nur die „krassesten Aussagen“ wiederzugeben und „moderatere Stellen auszublenden“. Er ist um eine sachliche Sichtweise bemüht und benennt durchaus auch Inhalte, die ihm nicht problematisch erscheinen. Es entsteht somit, so schreibt er, „ein authentischer Blick darauf, wie Fakten, Ideologie und Religion miteinander verwoben werden.“ So könne sich „jeder Leser einen eigenen Eindruck davon verschaffen, was manche junge Menschen in muslimischen Ländern an Lehrstoff vorgesetzt bekommen“.

Im ersten Teil des Buches widmet er sich den Inhalten der Bücher, der zweite Teil fragt nach den Auswirkungen, die sich bei uns durch Migranten ergeben, die eine solche Schulbildung durchlaufen haben. Bei allen von ihm untersuchten Schulbüchern stellt Schreiber einen „roten Faden“ fest. Dieser ist natürlich der Islam, der in mehrheitlich muslimischen Ländern die Sicht auf die Frau und klare antisemitische Tendenzen und Vorurteile vorgibt. Problematisch ist auch, wie Nicht-Muslime gesehen werden. So schildere beispielsweise ein iranisches Schulbuch die Muslime weltweit als ein „einziges Volk“, und es wird weiter festgestellt: „Es leben bereits mehr als eineinhalb Milliarden Muslime in mehrheitlich islamischen Ländern.“ Schreiber resümiert die weiteren Aussagen: „Wenn dieses ,massive Volk vereint‘ sei, könne keine Macht es besiegen. Feinde würden versuchen, die islamische Gesellschaft zu zerstören. Die Muslime müssten daher für die ,Bewahrung ihrer Macht‘ kämpfen. Dabei seien geografische Grenzen kein Hindernis für die ,Einstimmigkeit‘ der Muslime.“ Auch andere Bücher teilten die Welt in Gut und Böse, in gute Muslime und böse Islamfeinde.

Zu erwarten ist in den islamischen Schulbüchern ferner das für europäische Verhältnisse nicht zu akzeptierende Frauenbild, das den Kindern schon im frühesten Alter auch in der Schule vermittelt wird, wenn es in dem iranischen Buch etwa heißt, dass eine angemessene Kleidung der Frau (ein Hidschab) ihre Schönheit vor Blicken der lüsternen Männer und ihrer Gier schütze. So stoßen die „Verhüllungspflichten für Frauen“ bei Susanne Lin-Klitzing auf Ablehnung: „Das ist ganz besonders perfide“, sagt sie. „Man kann ja über verschiedene Sichtweisen auf unterschiedliche Formen von Bekleidung im Unterricht sprechen. Wir würden diese erst einmal in ihrer Unterschiedlichkeit beschreiben und erklären, was sie gegebenenfalls ausdrücken, und dann kann man sie beurteilen. Was hier überhaupt nicht stattfindet, ist ein wertneutrales Beschreiben. Kein Feststellen und auch kein Beurteilen unter unterschiedlichen Gesichtspunkten, also auch keine Mehrperspektivität. Es geht gleich um die festgelegte Auswirkung passender Bekleidung und klar ist da: Möglichst viel Klamotten für Frauen sind die passende Bekleidung und haben damit eine gute Auswirkung.“ Letztlich handle es sich dabei um „ideologische Rollen- und Verhaltensfestlegung“.

Schreibers Resümee seiner Untersuchung ist nicht dazu angetan, beruhigend zu wirken: „Für mich folgt, dass die jeweiligen Schulbücher auf unheilvolle Art die jeweils problematischen gesellschaftlichen Tendenzen verstärken, die es in den einzelnen Ländern bereits gibt: in Ägypten und der Türkei den Nationalismus, in Palästina den Hass auf Israel, in Afghanistan die extrem konservative islamische Gesellschaftsordnung. In diesem Sinne dienen die Bücher nicht der Bildung, sondern der Ideologisierung beziehungsweise der Festigung eines Narrativs.“

Eines der erschreckendsten Ergebnisse des Bandes ist darüber hinaus, dass der Westen, und damit wir alle, mit Steuergeldern ideologisierende Schulbücher mitfinanzieren. In besonderem Maße gilt dies für Afghanistan, das 2016 der zweitgrößte Empfänger von ODA-Mitteln in Höhe von etwa 4,2 Milliarden US-Dollar war. „ODA“ steht für „Official Development Assistance“ und bezeichnet Gelder, die direkt oder durch internationale Organisationen dem jeweiligen Land zur Umsetzung von Entwicklungsvorhaben zugutekommen. Ausländische Hilfsgelder erreichten 2013 einen Anteil von 45 Prozent am afghanischen Bruttosozialprodukt. Deutschland beteiligt sich an den Mitteln mit 250 Millionen Euro für die Entwicklung und 180 Millionen Euro für die zivile Sicherung und ist damit der zweitgrößte Geber. Wie Schreiber vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch eine Nachfrage erfahren hat, trage Deutschland „über seinen Beitrag zur internationalen Hilfe für Afghanistan auch zur Finanzierung von Lehrmaterialien wie beispielsweise Schulbüchern in Afghanistan bei“.

Schreiber formuliert einen deutlichen Appell: Es gehe auch darum, „ob Deutschland seine Zusammenarbeit mit muslimischen Staaten nicht an klare Reformen in den Bildungssystemen dieser Länder knüpfen sollte“. Denn „ein Teil der frauenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Ausfälle in Schulbüchern wird von deutschen Steuergeldern mitfinanziert. Das muss aufhören.“

Constantin Schreiber: „Kinder des Koran – Was muslimische Schüler lernen“. Econ Verlag 2019, 304 Seiten, ISBN-13: 978-343020-250-3, EUR 18,–