Würzburg

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Nachdenkliches und Hintergründiges zu Ehe und Himmelreich.

Trauung
Trauung Foto: Andreas Kirschek. adobe Stock

Was eine Ehe ist, wer sie schließen kann, welche Rechte, welche Berufungen und Charismen Frauen und Männer haben, ist heute auch unter Christen weithin umstritten. Deshalb ist Klaus Berger sehr zu danken, dass er mit seinem neuen Buch „Ehe und Himmelreich. Frau und Mann im Urchristentum“ eine Studie vorgelegt hat, in der alle Informationen zusammengetragen sind, die denjenigen helfen können, die ihre Antworten auf diese Fragen im Hinblick auf die Heilige Schrift, näherhin das Neue Testament finden wollen.

Berger legt akribisch jene Textstellen frei, die verdeutlichen, wie Jesus Christus das in der Schöpfung grundgelegte Verhältnis von Frauen und Männern sah und wie dieses Bild in der frühen Kirche ausgestaltet wurde.

Der Autor arbeitet heraus, dass sich aus dem Befund der Schrift ergibt, dass in Jesu Verkündigung einer eher familienkritischen eine klar ehebejahende Phase folgte. Ebenso deutlich ist die Situation hinsichtlich der Wertschätzung von Frauen, die an zahlreichen Punkten im Evangelium deutlich wird. Zugleich legt Berger luzide dar, dass diese Wertschätzung nicht gleichbedeutend mit der Berufung ins Apostelamt ist. Dies erfolgt zum einen auf der terminologischen Ebene in der Unterscheidung zwischen Gemeindeaposteln, also in der Weitergabe des Glaubens durch vor Ort tätige Christen, darunter auch Junia und jene zwölf Männer, deren Berufung zum glühenden Brennpunkt der apostolischen Tradition des Weiheamtes wurden.

Eheliche Liebe als Vorbild für das Verhältnis des Messias

Einer der vielen in der gegenwärtigen Debatte wegweisenden Punkte des Buches ist die Auslegung des 5. Kapitels des Epheserbriefes. Hier entfaltet Berger ein in Vergessenheit geratenes, aber für eine heilsame Spiritualität überaus wichtiges Glaubensgeheimnis. Er stellt dar, dass die bräutliche und eheliche Liebe zwischen Mann und Frau gewissermaßen die Blaupause, das Vorbild für das Verhältnis des Messias zum Gottesvolk ist. Die Folge dieser Auslegung ist klar. Und sie wird all diejenigen, die vom Standpunkt des Habenwollens und der Machtausübung her argumentieren, wenig gefallen. Denn wer das Verhältnis von Mann und Frau als Urbild und zugleich als Abbild der bräutlich liebenden Seele zum Messias deutet, hat Mut zum Dienen und kein Problem damit, nicht in jedes Amt berufbar zu sein. In der Zeit des Neuen Testamentes war dies offenbar klar. Denn in den Texten spiegelt sich eindeutig, dass Männer in Gremien wirken und Frauen als charismatische Einzelpersonen oder in locker gefügten Kleingruppen tätig sind. Für sie gab es – und gibt es heute wieder – an der Basis jede Menge Gelegenheiten zur Glaubensverkündigung.

Dies schließt die Einführung in dessen Geheimnisse ein. So etwa in jenes, das Berger so elaboriert aus der Vergessenheit befreit wie den Zusammenhang von Friedenskuss und Kommunion als Abbild der himmlischen Hochzeit mit seinem Zweischritt von Kuss und Sakrament des Brautgemachs. Perlen wie diese finden sich zahlreiche in Bergers neuem Buch. Denn dank des komprimierten, mitunter geradezu stenographisch dichten Stiles des Autors enthalten die 304 Seiten hochkonzentrierte neutestamentliche Theologie, deren Lektüre nicht nur in der gegenwärtigen Debatte erhellend, sondern auch für das alltägliche Zusammenleben von Frauen und Männern in der Kirche wegweisend und zielführend ist.

Klaus Berger: Ehe und Himmelreich. Frau und Mann im Urchristentum. Herder, Freiburg, 2019, 304 Seiten, ISBN 978-3-451-38490-5, EUR 25,-

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