Passau

Nicht kirchisch, aber gläubig

Jugendbischof Stefan Oster trifft in seinem Buch „Credo“ den richtigen katechetischen Ton.

Stefan Oster
Der Passauer Bischof Stefan Oster möchte Menschen für Christus begeistern. Foto: KNA

Wir schreiben das Jahr 2019, doch als sich die schwere Tür zur Krypta öffnet, weht dem geneigten Gast ein sanfter Hauch vergangener Glorie entgegen. Eines wird sofort deutlich: Offenbar hat es sich nicht bis nach Passau herumgesprochen, dass PowerPoint-Präsentationen „voll 2010“ sind. Doch der Mann, der vor der improvisierten Leinwand steht und engagiert mit dem Laserpointer über seine Vortragsfolien saust, macht schnell deutlich, dass er „nicht von gestern“ ist, auch wenn er uralte Wahrheiten verkündet. Der Mann, der die andere Hand nur zum Gestikulieren aus der Hosentasche nimmt und mit einer Intensität von Gott spricht, so, als ob es Ihn wirklich gäbe, trägt ein Kreuz um seinen Hals und ist der Hirte dieses Bistums: Bischof Stefan Oster.

„Junge Menschen, die mich kennen, sagten zu mir: ,Wenn ich dieses Buch lese, höre ich dich reden, ich sehe, wie du da argumentierst.“
Bischof Stefan Oster

Seit geraumer Zeit trifft er sich an Sonntagabenden mit Jugendlichen aus seinem Bistum, um Anbetung und Lobpreis abzuhalten und den Leuten „etwas von Gott“ zu erzählen. „Believe and Pray“ haben sie diese Abende genannt, ein Titel, der in der deutschen Übersetzung auch als Imperativ aufgefasst werden kann: „Glaube und bete“. Diese Treffen sind für jeden offen, auch Ungetaufte tauchen dort regelmäßig auf.

Fast ein Jahr lang hat Bischof Oster, so sagt er, auf diese Art das Glaubensbekenntnis mit den Jugendlichen durchexerziert. Insgesamt 17 Abende lang habe er mit ihnen „gebetet, geschwiegen, dann einen Impulsvortrag gehalten – und anschließend haben wir darüber diskutiert“. Auf die Frage, ob diese Treffen denn auch etwas bewirkt hätten, antwortet er: „In diesen Abenden erlebe ich tatsächlich auch immer wieder junge Menschen, die zu Christus finden und deshalb auch ihr Leben verändern. Das ist eigentlich das, wofür wir als Kirche da sind.“

Glaubensfragen in einer lebhaften und sehr bildlichen Sprache

Die Idee, aus diesen Impulsvorträgen ein Buch zu machen, lag nahe. Mit dem katholischen Bibelwerk hat sich ein Verlag gefunden, er selbst kümmerte sich mit seiner Pressesprecherin Anna Sophia Hofmeister um die Erstellung des Manuskriptes. Da Oster seine Vorträge mitgeschnitten hatte, mussten sie noch verschriftlicht werden.

Dies macht letztlich auch den Charme des Buches aus. „Junge Menschen, die mich kennen, sagten zu mir: ,Wenn ich dieses Buch lese, höre ich dich reden, ich sehe, wie du da argumentierst‘“, erzählt der Bischof, „das finde ich ganz schön.“ In einer lebhaften und sehr bildlichen Sprache dröselt er in knapp 300 Seiten tiefe Glaubensfragen auf: Warum ist Gott allmächtig? Wer war Jesus Christus? Welche Bedeutung hat sein Leben, sein Sterben, seine Auferstehung für uns? Was bedeutet überhaupt „Glauben“? Dabei scheut der Jugendbischof nicht davor zurück, die „heißen Eisen“ anzufassen. Warum legt die Kirche so großen Wert darauf, dass die Mutter Jesu Jungfrau war und geblieben ist? Gibt es eine Hölle? Warum erwartet Gott von uns Sein „Ebenbild“ zu sein?

Es wird schnell deutlich, dass Oster seine Ausführungen ursprünglich vor Jugendlichen gemacht hat. Zwar blitzt immer wieder mal das Fachlatein des Theologie-Professors hervor, doch an den meisten Stellen ist sich der Autor nicht zu schade, komplexe theologische Fragen notfalls über mehrere Seiten geduldig zu erklären, ohne den Sachverhalt gönnerhaft zu simplifizieren oder dem großen, unsagbaren Geheimnis das letztlich doch Geheimnisvolle zu nehmen. „Andere haben gesagt: ,Endlich ein Buch, dass man lesen kann, weil es nicht so kirchisch geschrieben ist‘. Das freut mich natürlich. Ich hoffe aber trotzdem, dass es nicht banal oder oberflächlich ist.“

Große Stärke dieses Buches ist die Aufrichtigkeit des Autors

Die große Stärke dieses Buches ist die Aufrichtigkeit des Autors. Zu jeder Zeit wird dem Leser bewusst, dass Bischof Oster zu Christus hinführen will. Schnell wird klar: Das größte Glück im Leben von Stefan Oster ist die persönliche Beziehung zu diesem tief geheimnisvollen, aber doch personalen Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Und dass Oster dieses Glück auch allen anderen Menschen ans Herz legen möchte.

Nicht, weil es nun mal in der Jobbeschreibung eines Bischofs steht, die Werbetrommel für Gott zu rühren, sondern weil es ihm ein Herzensanliegen ist. Und das Herz, so sagt er in seinem Buch, „dein Herz ist der am stärksten umkämpfte Ort der Welt. In dir passiert das Entscheidende. Hier fällt die Entscheidung über die Frage: Wer ist dein Herr?“

Im persönlichen Gespräch gesteht Bischof Oster, dass auch er immer wieder darum ringen muss, dass Christus das Zentrum seines Herzens bleibt: „Der Priester sagt im Gottesdienst: ,Erhebet die Herzen!‘ Die Leute sagen: ,Wir haben sie beim Herrn!‘ Und ich würde dann gerne mal fragen: Wirklich? Wisst ihr, was ihr gerade gesagt habt? Aber das sage ich auch zu mir selber, weil jeder weiß, genau das ist die Hauptfrage, im Grunde auch das, was Jesus den Pharisäern vorgeworfen hat: Wo habt ihr euer Herz? Ihr habt gute Vorschriften, gute Rituale und so, aber geht es euch wirklich um eure persönliche Gottesbeziehung? Glaubt ihr, dass der Vater ein Vater ist oder geht es euch darum, Recht zu haben und Eure Gesetze einzuhalten?“

Nahrung für die Seele finden

Um Christus in die Mitte zu stellen, ihn zu den Menschen zu bringen – dafür greift der Jugendbischof scheinbar zu jedem Mittel – selbst zu PowerPoint-Präsentationen. Ob auch sein Buch „Credo“ ein entscheidendes Hilfsmittel in der Neuevangelisierung ist? Stefan Oster selbst schätzt das realistisch ein: „Wir wissen alle, wie der Wert und die Halbwertszeit eines Buches manchmal ist. Das wird beim Erscheinen gefeiert, oder kommt halt raus, wird bekannt gemacht und ein paar Wochen später redet keiner mehr drüber… Man darf es also nicht überschätzen. Aber wenn nur der eine oder andere darin Nahrung findet für seine Seele, bin ich schon zufrieden.“

Stefan Oster: Credo. Eine Gebrauchsanweisung fürs Leben. Katholisches Bibelwerk, gebunden, 300 Seiten, ISBN 978-3460256033, EUR 22,95

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