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Gender zerstört die Familie

Die sexuelle Revolution wird mit politischer Macht durchgesetzt: Gabriele Kuby zeigt präzise, wie die neue Ideologie arbeitet. Von Alexander Riebel
Da kann doch etwas nicht stimmen: Im kindlichen Blick liegt viel Wahrheit.
Foto: dpa | Da kann doch etwas nicht stimmen: Im kindlichen Blick liegt viel Wahrheit.

Vor wenigen Tagen hat die amerikanische Schauspielerin Jody Foster ihre Freundin geheiratet. In der gender-bestimmten Gegenwart überrascht das kaum noch jemanden. Die Vielfalt sexueller Lebensformen wird anerkannt, und das ist auch so gewollt. Es ist politischer Wille, sowohl von Einzelstaaten als auch von überstaatlichen Organisationen. Warum das so ist, hat Gabriele Kuby in „Gender – Eine neue Ideologie zerstört die Familie“ gezeigt.

Komprimiert auf 30 Seiten sagt Kuby genau, worum es geht. Sie zeigt die Entwicklung der Gender-Theorie und deren Widersprüche über den politischen Missbrauch der Sprache bis hin zur politischen Durchsetzung von Gender und zum Widerstand dagegen. Das Leitmotiv, das sich durch die Untersuchung zieht, ist die ideologische Zerstörung der Familie. „Als Mann und Frau schuf er sie“, heißt es in der Genesis – hier liegt auch der unumstößliche Grund der Familie. Wer davon abweicht, verändert die Schöpfungsordnung. Auch noch die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 beruft sich auf die biblische Aussage, wie Kuby zitiert: „Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.“ (Artikel 16,3) Daran haben sich auch die meisten nationalen Verfassungen gehalten.

Dass Familie Zukunft ist und allein Kindern Leben schenkt, das ignorieren die Gender-Befürworter. Stattdessen werden neue Geschlechtsidentitäten in den Vordergrund geschoben. „Gender“ bedeutet „soziales Geschlecht“, das mit dem biologischen Geschlecht nicht übereinstimmen muss. Ursprünglich stand „Gender“ für den Unterschied des Geschlechts eines Wortes – unterschieden nach der, die, das. Die UN-Weltfrauenkonferenz ersetzte dann 1995 das Wort „sex“ für die zwei Geschlechter durch das Wort „Gender“. Und Feministinnen haben den Kampf gegen die „Zwangsheterosexualität“ als Ursache für die Unterdrückung der Frau aufgenommen. Inzwischen gibt es zwei Bedeutungen von Gender. In der Politik wird das Wort noch häufig für die Gleichstellungspolitik von Mann und Frau am Arbeitsplatz benutzt. Die sexuelle Variante von Gender kommt allerdings immer häufiger in die Diskussion, wonach die Akzeptanz der Vielheit der Geschlechter durchgesetzt werden soll: Der Homosexuellen und queeren, der Bi- und Transsexuellen. Gegen die Politik der Pekinger UN-Konferenz, die seit zwanzig Jahren mit wachsendem Erfolg international durchgesetzt wird, hatte sich auch eine „Familienkoalition“ gegründet, die damals erklärte: „Die Pekinger Aktionsplattform ist ein direkter Angriff auf die Werte, Kulturen, Traditionen und religiösen Überzeugungen der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen. Das Dokument zeigt keinerlei Respekt für die Würde des Menschen, versucht, die Familie zu zerstören, ignoriert die Ehe, wertet die Bedeutung der Mutterschaft ab, fördert abweichende sexuelle Praktiken, sexuelle Promiskuität und Sex für Jugendliche.“

Dass die Gender-Theorie von Widersprüchen und Ungereimtheiten durchsetzt ist, fällt ihren Verteidigern offenbar nicht auf; ansonsten würden sie sich umso mehr der argumentativen Unredlichkeit schuldig machen. Kuby fasst die Widersprüche der Gender-Theorie zusammen. Der Mensch ist entweder Mann oder Frau. Dem wäre hinzuzufügen, dass auch in sogenannten Weltreligionen das Problem nicht eindeutig sein muss, so im Buddhismus. Am Muroji-Tempel zum Beispiel nahe Nara in Japan gibt es eine alte hölzerne Buddha-Statue, für die der Künstler seine schwangere Frau zum Vorbild nahm. Dass „der“ Buddha häufig weiblich aussieht, damit haben Buddhisten kein Problem. Denn die Buddha-Natur sei weder männlich noch weiblich, sondern geschlechtlich offen.

Kuby nennt auch die neurophysiologisch feststellbare Verschiedenheit von Mann und Frau; Männer haben männliche Körperzellen, Frauen weibliche. Zudem würden die Ungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau nicht durch die Aufhebung dieser Unterschiede beseitigt werden, sondern nur durch die Bereitschaft zur wechselseitigen Ergänzung. Auch sei die Behauptung der Gleichwertigkeit aller sexuellen Orientierungen falsch. Denn Heterosexualität ist die einzige Bedingung für die Existenz des Menschengeschlechts.

Trotz dieser Eindeutigkeiten wird die Gender-Ideologie politisch von oben nach unten durchgesetzt, häufig im Gespräch mit Gruppierungen an der „Basis“. Dieser politische Wille entspringt nach Kuby nicht einer Notsituation wie früher häufig bei Revolutionen, sondern er geht von den „Machteliten dieser Erde aus“. Ursache sei das Zusammenwirken von UN-Organisationen besonders für Menschen-, Frauen und Kinderrechte mit „globalen Nichtregierungsorganisationen wie International Planned Parenthood (in Deutschland pro familia), milliardenschwere Stiftungen wie Rockefeller, Bill & Melinda Gates und Milliardären wie Warren Buffet und George Soros“, ein amerikanischer Investor.

Es ist Kubys Verdienst, ihren Lesern die Augen über die sonst hehren Ziele der Vereinten Nationen zu öffnen. Denn das „Economic and Social Council“ der UN hat erst im vergangenen Juli beschlossen, dass die Gender-Perspektive in alle „Politik und Programme durch einen systemweiten Handlungsplan gemainstreamt werden“. Den Widerstand der meisten europäischen Staaten gegen die Förderungsziele der Vereinten Nationen hat die Organisation dadurch ausgehebelt, dass sie ihre Kampagne „Free & Equal“ für die Rechte von LSBTTIQ-Personen, die für die sexuellen Lebensformen stehen, durch externe Förderer unterstützen lässt. Und im Februar 2014 haben die UN sogar den Heiligen Stuhl aufgefordert, seine Sexualethik aufzugeben sowie Abtreibungen zuzulassen. Gemäß dem „Top down“-Prinzip, der Durchsetzung von Rechten von oben nach unten, versucht man auch von europäischer Ebene aus Druck auszuüben, wie es etwa kürzlich im „Lunacek-Bericht“ der Fall war, der Sonderrechte für Homosexuelle forderte.

Unter der Flagge der Menschenrechte werden Ideologien durchgesetzt, trotz des Protestes Hunderttausender. Wie Kuby bereits in ihrer umfangreichen Studie „Die globale sexuelle Revolution“ (2012) gezeigt hat, wird die Gender-Revolution Freiheiten im Namen der Freiheit bestreiten. Die Gleichbehandlungsrichtlinie der Europäischen Union kann nur zur Beschränkung von „Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit, Redefreiheit, des Erziehungsrechts der Eltern und der unternehmerischen Freiheit führen“, wie Kuby feststellt. Beschränkungen von Freiheit und Umerziehung von Kindern durch Sexualisierung gehen Hand in Hand. Widerstand dagegen ist angesagt. Auch dafür bietet das unbedingt lesenswerte Büchlein wertvolle Hinweise.

Gabriele Kuby: Gender – Eine neue Ideologie zerstört die Familie.
Fe-Medienverlag, Kisslegg 2014, 30 Seiten, ISBN-13: 978-386357078-1, EUR 1,–

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