Rom

Lieblingsheilige von Johannes Paul II.

Johannes Paul II. hatte priesterliche Vorbilder und geistliche Wahlverwandte auf seinem Weg. Wie seine Lieblingsheiligen empfand er eine tiefe Liebe zur Muttergottes. Mit den Geistlichen verband ihn der Sinn für echte Reform, missionarischer Schwung und Treue zur kirchlichen Lehre.  

Maria mit Kind - Raphael
Maria mit Kind - Raphael

Johannes vom Kreuz (1542-91) 

Als Karol Wojtyla 1947 am Angelicum in Rom mit einer Arbeit über die Glaubensauffassung des Johannes vom Kreuz promovierte, war ihm die Spiritualität des Karmel längst vertraut. Die für das Werk des spanischen Kirchenlehrers charakteristische Synthese aus Lyrik und Mystik faszinierte Karol, der in jungen Jahren erwogen hatte, in den Karmel einzutreten. Mit der Erfahrung der "Dunklen Nacht" hatten der in seinem Orden schikanierte Reformer und der totalitären Regimen ausgelieferte Karol manches gemeinsam. Und das Reisen schadete beider Kontemplation nicht im Geringsten. Mystik bedeutete für Karol kein ekstatisches Hochgefühl, sondern Vereinigung mit dem Willen Gottes. Das hätte Johannes vom Kreuz unterschrieben.

Schwester Faustina Kowalska (1905-38)

Die Heiligsprechung der polnischen Ordensfrau Faustina Kowalska im Jubeljahr 2000 und die Einführung des liturgischen Festes der Göttlichen Barmherzigkeit waren kein sentimentaler Akt eines patriotischen Polen: Sie entsprachen dem tiefen Glauben Johannes Pauls II., dass die Botschafterin der Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit dem 20. Jahrhundert Wesentliches zu sagen habe.  Wojtylas Bischofsstadt Krakau ist bis heute das Zentrum der Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit. Über Schwester Faustina dachte der Papst nach, als er seine Enzyklika über die Barmherzigkeit "Dives in misericordia" schrieb. Da war das nach Faustinas Angaben gemalte Christusbild längst die Flagge der Neuevangelisierung.

Juan Diego (1474-1548), Jacinta (1910-20) und Francisco Marto (1908-19)

Zu marianischen Heiligen fühlte sich Johannes Paul II. besonders hingezogen. Mit der Heiligsprechung des Sehers von Guadalupe Juan Diego und der Seligsprechung der Seherkinder von Fatima anerkannte der Papst deren völkerverbindende Sendung: Die auf Diegos Mantel sichtbare dunkelhäutige Madonna ist das bekannte Marienbild, das den inneramerikanischen Rassismus untergraben hat. In Fatima sah der Papst die Bruchstelle des Eisernen Vorhangs. Der erste kanonisierte Indigene verkörpert ebenso wie Jacinta und Francisco, was ein erfülltes Leben ausmacht: Gottes Willen folgen, beten, die tägliche Arbeit gewissenhaft erledigen und Maria zum Vorbild nehmen.

Pater Maximilian Maria Kolbe (1894-1941)

In einem doppelten Sinn war der Franziskanerminorit, der in Auschwitz für einen Landsmann in den Hungerbunker ging, für den jungen Karol Wojtyla ein Vorbild: Als Beispiel heroischen polnischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus und als Glaubenszeuge des 20. Jahrhunderts. Pater Kolbes Mut prägte Karols Priesterbild: Selbstaufopferung für Christus und das Volk. Wie Kolbe, ein Pionier des Medienapostolats, verband auch Karol intellektuelle Interessen mit tiefer Marienfrömmigkeit. Beide missionierten auf der Höhe der medialen Möglichkeiten ihrer Zeit. Pater Kolbe ging auf Missionsreise nach Japan, Johannes Paul II., der ihn 1982 heiligsprach, verkündete Christus auf der ganzen Welt.

Pater Pio von Pietrelcina (1887-1968)

Der Student Karol Wojtyla suchte den Kapuziner in San Giovanni Rotondo während einer Italienreise auf, um bei ihm zu beichten. Eindruck machte die Zelebration des Stigmatisierten auf ihn: Pater Pio schien dabei physische Schmerzen zu leiden. Welches Vertrauen Karol in Pater Pio setzte zeigte sich 1962, als er seine schwerkranke Landsfrau Wanda Poltawska dem Gebet Pater Pios anempfahl. Wandas spontane Heilung schrieb Karol diesem Bittgebet zu. Dass Johannes Paul II. den volkstümlichen Ordensmann in der Vorbereitung auf das Jubeljahr 2000 am  2. Mai 1999 seligsprach, war kein Zufall: Der zu Lebzeiten oft missverstandene Pater Pio lehrt die Kirche des neuen Jahrtausends, dass man "unter dem Kreuz lieben lernt".

Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716)

Aus einem Gebet des französischen Volksmissionars stammt der päpstliche Wappenspruch "Totus tuus". Ganz Dein. Johannes Paul II. und Louis-Marie teilten nicht nur ihre tiefe Marienliebe und ihr unerschütterliches Vertrauen in die Weihe an die Gottesmutter. Den ideologischen Verwüstungen, die sie in der Kirche nach den Wirren der Reformation beziehungsweise dem Fall des Eisernen Vorhangs vorfanden, stellten sie sich mit glühendem Missionseifer. Der junge Karol Wojtyla las die Werke Grignion de Montforts in den Kriegsjahren, während er zur Arbeit in einer Kläranlage verpflichtet war. Sie bestärkten ihn in dem Glauben, dass echte Marienverehrung immer ganz auf Christus ausgerichtet ist.

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