Eine Radiofrequenz als Kanzel

Radio Maria in mehr als 50 Ländern zu hören – Keine Verbindung zu „Radio Maryja“ in Polen

Als eine „kleine Kirche in den Häusern“ soll Papst Benedikt XVI. Radio Maria einmal bezeichnet haben. Sicherlich treffend, denn Radio Maria ist in Italien und mittlerweile in mehr als 50 Ländern der Erde zu einem Instrument der Evangelisierung geworden. Hier beten Millionen Menschen täglich mit, hören das Evangelium, Betrachtungen, Gottesdienste, aber auch Nachrichten aus Kirche und Welt, Musik oder die tägliche Kindersendung. Seit über elf Jahren, genau seit dem 12. September 1998, sendet Radio Maria in Österreich. Der erste Sender stand auf dem niederösterreichischen Sonntagberg, bei der Dreifaltigkeitsbasilika, einem der symbolreichen Wallfahrtsorte des Alpenlandes. Mittlerweile sendet „Radio Maria Österreich“ täglich aus allen Landesteilen: die Messe, den Rosenkranz und das Stundengebet der Kirche.

Wer den 1995 nach Musik- und Theologiestudien zum Priester der Erzdiözese Wien geweihten Andreas Schätzle, den dynamischen Programmdirektor, einmal erlebt hat, wird daran nicht zweifeln: Die von ihm dirigierte „Stimme der Kirche“ ist von jugendlicher Frische und geht – etwa mit der Übertragung von Jugendevents und Familientreffen – auf die junge Generation offensiv zu. Dialog wird dabei groß geschrieben: Bei den meisten Sendungen können die Hörer anrufen, um Fragen zu stellen oder selbst ein Zeugnis abzulegen. Es geht aber nicht nur um Glaubensfragen, sondern um den ganzen Menschen mit seinen Sorgen, Nöten, Fragen und Hoffnungen. Ausgewählte Referenten sprechen über Themen des Glaubens, der Gesellschaft, der Medizin und der Kultur, auch über Ehe und Familie.

Im materiellen Sinn lebt der Sender – mitten in einer Republik der Zwangsmitgliedschaften und Zwangsrundfunkgebühren – ganz von den Spenden seiner Hörer. Wegen des geistlichen Charakters der Programmgestaltung lehnt man Werbung grundsätzlich ab. Alle Mitwirkenden, ob Priester und Ordensleute oder Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen, ob Sendebegleiter oder Außendienstmitarbeiter, arbeiten ehrenamtlich. Und dies aus Prinzip: „Es ist eine Berufung!“

Der Dachverband, die „World Family of Radio Maria“, betont, dass der umstrittene polnische Sender „Radio Maryja“ eine ganz eigene, von der Weltfamilie unabhängige Gründung ist. Auch „Radio Maria Österreich“ steht mit dem polnischen Sender gleichen Namens nicht in Verbindung. Die heutige „Weltfamilie von Radio Maria“ nahm ihren Anfang 1983 in einer Pfarrei der Provinz Como in der Erzdiözese Mailand. Der italienische Unternehmer Emanuele Ferrario gab dem kleinen Pfarrsender eine neue Dimension: Nach wenigen Monaten war „Radio Maria“ in ganz Italien zu hören. Nicht mehr Pfarrnachrichten standen im Mittelpunkt, sondern die Schönheit des christlichen Glaubens. Das auffallend fröhliche Team in Wien sieht sich nicht als heiligen Rest in sündiger, dem Untergang geweihter Gesellschaft, sondern als Instrument der Verkündigung der Frohen Botschaft. Sie bauen auf die Erkenntnis, die Paulus schon in seinem Brief an die Römer erwähnte: „Der Glaube kommt vom Hören.“ (Röm 10,17).

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